Schneller Wohnraum - Interview mit Günther Riebel

    Günther Riebel, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH (GWG)Aufgrund des Bevölkerungswachstums in den Städten und der steigenden Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen wird dringend und kurzfristig zusätzlicher Wohnraum benötigt. Die Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH (GWG) hat in diesem Zusammenhang auf einem unbebauten Grundstück südlich von Augsburg acht Fertighäuser in Holzbauweise bereitgestellt, welche Wohnraum für 116 Asylbewerber bieten werden. Stefan Torno von der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH befragte Herrn Günther Riebel, Geschäftsführer der GWG, zum Projekt "Gemeinschaftliches Wohnen Neuhauswiese".

    1. Welche Vorteile bietet vor dem Hintergrund der eingangs skizzierten Situation das Bauen mit Holz gegenüber anderen Bauweisen?

    Das Bauen mit Holz ermöglicht kurze Planungszeiten, modulare Grundrisse und eine witterungsunabhängige und sehr weitgehende Vorfertigung bei extrem kurzen Fertigungs- und Montagezeiten. Weitere Vorteile liegen im hohen energetischen Standard und beim geringen Heizenergiebedarf. Holz ist ein heimischer Baustoff, der sich gerade im ländlichen Bereich gut ins Orts- oder Ortsrandbild einfügt. Darüber hinaus verfügen wir im süddeutschen Raum über zahlreiche gute und leistungsfähige Betriebe. Es reicht nicht aus, in vorgegebener kurzer Zeit ein derartiges Wohnprojekt bauen zu wollen, am Ende des Tages brauchen Sie auch Firmen die dazu in der Lage sind. Und da sind wir in unserer Region gut aufgestellt.

    2. Ein immer wieder diskutierter Punkt ist die Zeitspanne, für die zusätzlicher Wohnraum zur Verfügung gestellt werden muss. Für welche Nutzungsdauer sind die Gebäude ausgelegt und was geschieht, wenn sie als Wohnraum für Flüchtlinge nicht mehr benötigt werden?

    Das ist eine spannende Frage. Der vermehrte Zuzug von Flüchtlingen ist ein bedeutendes Thema für die bayerische Wohnungswirtschaft, denn der große Zustrom von zumeist mittellosen Menschen trifft auf die ohnehin angespannten Wohnungsmärkte in Bayern. Aktuell sind die Kommunen gefordert, in sehr kurzer Zeit eine große Menge an geeignetem Wohnraum bereitzustellen. Gleichzeitig wird grundsätzlich eine deutliche Ausweitung des Baus von bezahlbaren Wohnungen in unserem Land benötigt. Es vergeht nahezu kein Tag, an dem man der Tagespresse nicht eine Meldung darüber entnehmen kann, wie sehr bezahlbarer Wohnraum in unserem Land fehlt. Laut einer repräsentativen Umfrage vom Frühjahr dieses Jahres glauben über 60 Prozent der bayerischen Bevölkerung, dass es in den nächsten Jahren nicht genügend bezahlbare Wohnungen geben wird. Das kommt nicht von ungefähr, denn in den vergangenen 15 Jahren hat sich allein in Bayern der Sozialwohnungsbestand nahezu halbiert. Vor diesem Hintergrund halten wir es für unverantwortbar, Geld in Baumaßnahmen zu investieren, die nach 10 oder 15 Jahren wieder abgebrochen werden. An gewissen Grundinvestitionen kommt man eben nie vorbei. Was wir jetzt brauchen, ist nicht die Renaissance der Barackensiedlung, sondern guter, sicherer und bezahlbarer Wohnraum für Generationen. Genau das ist die Idee für unser "Gemeinschaftliches Wohnen Neuhauswiese". Nach der Erstnutzung als Asylbewerberunterkunft steht das Dorf als gemeinschaftsorientierte Wohnanlage für die Bürger der Stadt Königsbrunn zur Verfügung. Wir rechnen auf jeden Fall mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren. Und vor dem Hintergrund dieser Betrachtung zeigt sich, was relativ günstig und was relativ teuer ist. Sicher ist unser Dorf in der Herstellung teurer als "Stangenware". Vor dem Hintergrund einer langfristigen Betrachtung wird unser Modell jedoch relativ günstig sein, davon sind wir überzeugt.

    3. Sie haben sich aufgrund der genannten Vorteile für Ihre Gemeinde für die Holzbauweise entschieden. Unter welchen Voraussetzungen empfehlen Sie wem aufgrund Ihrer bisherigen Erfahrungen "Ihr Modell" weiter?

    Grundsätzlich jeder Gemeinde, die an das Thema mit dem gleichen Ansatz herangeht wie wir und neben der Lösung des akuten Bedarfs für Asylbewerber eine langfristige Wertschöpfung für die Bürger der Gemeinde im Auge hat. Wichtig ist, dass ein Grundstück mit entsprechendem Baurecht bereitgestellt werden kann. In Bayern hat es hier zahlreiche Lockerungen im Baurecht gegeben, so dass hier durchaus Möglichkeiten bestehen. Grundsätzlich ist es uns gelungen, in einer sehr kurzen Projektzeit von nur sieben Monaten von den ersten Überlegungen bis zur schlüsselfertigen Übergabe das Projekt mit einem Generalunternehmer abzuwickeln. Das wäre mit konventioneller Bauweise so nie möglich gewesen. Eine Containersiedlung ist für uns im Rahmen der Planungsüberlegungen ausgeschieden. Wir wollen keine Stigmatisierung unterstützen und keinen sozialen Brennpunkt schaffen. Vielmehr wollen wir Integration unterstützen und fördern. Ein Stück weit kann man das auch durch den baulichen Rahmen.

    4. Es ist Ende November und der Winter scheint in Deutschland angekommen zu sein. Sind die Häuser mittlerweile bezugsfertig und, wenn ja, wie werden sie von Ihren neuen Bewohnern angenommen?

    Wir haben unsere acht Häuser planmäßig im November 2015 fertiggestellt und an unseren Mieter, den Freistaat Bayern, übergeben. Aktuell werden die Küchen eingebracht und die Möbel seitens der Regierung bereitgestellt. In den nächsten Tagen erwarten wir sodann die ersten Bewohner, die nach entbehrungsreichen Wochen hier eine erste Heimat finden werden.

     

    Hinweis:
    Weitere Informationen zum Projekt sind bei der GWG Königsbrunn unter www.gwg-angebote.de verfügbar. Auf der vom Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks betriebenen Internet-Seite www.schneller-wohnraum.de gibt es ein Video zum Projekt, zudem können sich potenzielle Bauherren allgemein zum Thema "Neuartiger Wohnraum in Holzbauweise" informieren.

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