holzimpuls! 2016: Stoffliche Verwertung von Laubholz im Fokus

Stabile, naturnahe und dem Klimawandel gewachsene Wälder in Deutschland werden künftig vermehrt aus Laubholz bestehen. Dieser bereits messbare Trend schlägt sich aber noch nicht in der stofflichen Verwertung nieder: Laubholz wird größtenteils noch als Energieholz verwendet. Bei der Veranstaltung holzimpuls! 2016 des Netzwerks Forst und Holz Unterfranken standen deshalb Buche & Co. im Fokus - nicht ganz zufällig: In Unterfrankens Wäldern ist der Laubholzanteil traditionell höher als anderswo im Freistaat.

Gruppenbild der Fachtagung: Stephan Thierfelder moderierte die Veranstaltung. Die Vorträge hielten Dietmar Riecks, Hannsjörg Pohlmeyer, Prof. Klaus Richter, Jürgen Schaffitzel, Roland Frehner, Philip Leube und Stefan Torno. Rechts Gastgeberin Constanze Haissig vom Steigerwald-Zentrum.

Laubholz stellt sogar den wertvollsten Rohstoff der Region dar. In facettenreichen Vorträgen setzten sich Experten aus ganz Bayern mit der Herausforderung "Laubholzverwendung" auseinander.

  • Stefan Torno, der bei der Clusterinitiative den Laubholz-Innovationsverbund leitet, stellte die Entwicklung in Bayern dar. Der optimale Einsatz und die verstärkte stoffliche Nutzung von Laubholz, wie er in der "Agenda Forst und Holz in Bayern 2030" festgeschrieben ist, erfordere unter anderem besseren Transfer von Know-How innerhalb des Clusters und die Entwicklung einer Nutzungsstrategie.
  • Prof. Dr. Klaus Richter von der Technischen Universität München setzte sich mit den Herausforderungen auseinander, die eine verstärkte stoffliche Verwertung mit sich bringt: So stellt Laubholz komplexere Anforderungen an die Verarbeitung, wenn es im Bau eingesetzt werden soll. Potentiale sah er auch in anderen Bereichen der stofflichen Verwertung, etwa in der Herstellung von Nanocompositen für neue Materialien oder von Bioschäumen und Aerogelen zum Zweck der Wärmeisolation und als Speichermaterialien. Ein Desiderat sei deutschland- und europaweit die Etablierung koordinierter Forschung in der Verwendung von Laubholz.
  • Problematisch beim Einsatz von Laubholz im Bauwesen ist auch der Mangel an Erfahrung im Umgang damit, wie Hannsjörg Pohlmeyer vom Holzbau-Cluster Rheinland-Pfalz wusste. Er demonstrierte aber an einer Vielzahl an gelungenen Beispielen, dass gerade aus Buche, Esche und Pappel dauerhafte, ansprechende und moderne Bauwerke entstehen können.
  • Der Holzunternehmer Jürgen Schaffitzel, Geschäftsführer eines Familienunternehmens, konnte aus der Praxis über die Herstellung von Brettschichtholz (BSH) aus Buche berichten. Der hohe Festigkeitsgrad bei geringem Durchmesser macht es für schlanke und filigrane Konstruktionen interessant. Dazu zählt auch das Gebäude selbst, in dem die Veranstaltung stattfand: Bei der Konstruktion des Steigerwald-Zentrums kam Buchen-BSH zum Einsatz.
  • Der Architekt Philipp Leube setzte sich mit der optischen Wirkung von Tragwerkskonstruktionen aus Holz und von Buche-Schiefer-Kombinationen in der Fassadengestaltung auseinander.
  • Sein Kollege Dietmar Riecks demonstrierte die Potentiale von Innovation im Fertigungsprozess und von Holzverwendung in energietechnischer Hinsicht. Detailliert zeigte er die bauliche Umsetzung des Hörsaales der Universität Bochum in "Zollinger Bauweise".
  • Roland Frehner von Holzbau Saurer aus Tirol erläuterte abschließend aus der Perspektive eines Holzbauunternehmens die Verwendung von "BauBuche" und wog, von der ersten Idee bis zum Einsatz des letzten Dübels, konzeptuelle und praktische Vor- und Nachteile gegeneinander ab.
 
Stefan Torno vom Cluster Forst und Holz Bayern und Hannsjörg Pohlmeyer vom Cluster Holzbau Rheinland-Pfalz bei ihren Vorträgen. Gut erkennbar: Die Buchen-BSH-Konstruktion an der Decke. Bilder: Steigerwald-Zentrum

Die Teilnehmer der Veranstaltung gewannen so neue Einsichten und bekamen vor allem einen reichen Schatz an Erfahrungswissen anhand etlicher Praxisbeispiele vermittelt. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Ausstellung im Foyer des Steigerwaldzentrums.

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