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Cluster Forst und Holz in Bayern - 10 Jahre Vernetzung und wirtschaftlicher Aufschwung: Interview mit der Leitenden Ministerialrätin Monika Rauh

Monika Rauh, Leitende Ministerialrätin vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
Monika Rauh, Leitende Ministerialrätin vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie

Bayerns Forst- und Holzwirtschaft wächst kontinuierlich: Ob Umsatzwachstum oder Beschäftigung, nirgendwo in Deutschland boomt die Branche so wie im Freistaat. So die Hauptergebnisse der nach fast zehn Jahren Clusterarbeit veröffentlichten Clusterstudie Forst, Holz und Papier. Kann das so weitergehen und was kann man tun, um diese Entwicklung zu verstetigen?

Wolfgang Mai von der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern hat dazu mit Monika Rauh gesprochen, die im Bayerischen Wirtschaftsministerium als Referatsleiterin für Grundsatzfragen der Industrie, Chemieindustrie, Holz und Papier, Textilindustrie zuständig ist. Mit dem Cluster Forst und Holz in Bayern arbeitet Frau Rauh eng zusammen u.a. als Mitglied des Clusterbeirates und des Zukunftsnetzwerks Holzbau Bayern.

Frau Rauh, welche Rolle spielt die Clusterpolitik im Rahmen der Industriepolitik des Wirtschaftsministeriums?

Monika Rauh: Die bayerische Industrie ist hervorragend aufgestellt. Mehr als ein Viertel der Bruttowertschöpfung wird im verarbeitenden Gewerbe generiert. Der Industriestandort Bayern belegt in allen Standortvergleichen eine Spitzenposition.

Zur positiven Entwicklung tragen auch die Cluster bei. Mit der Cluster-Offensive intensiviert die Staatsregierung die landesweite Netzwerkbildung zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die thematische Vielfalt der Clusterplattformen verdeutlicht, wie breit die bayerische Cluster Offensive aufgestellt ist. Clusterpolitik ist somit nicht nur ein Instrument zur Unterstützung der Hightech-Industrie, sondern erfasst mit ihren Vernetzungsanstrengungen auch wichtige traditionelle Branchen der bayerischen Wirtschaft.

Das Cluster Forst und Holz deckt die gesamte Verarbeitung von der Urproduktion bis zur zweiten Verarbeitungsstufe ab. Dabei hat das Cluster im letzten Jahrzehnt wesentlich zum Zusammenwachsen dieser Wertschöpfungskette beigetragen. Die beiden Clusterstudien werfen auch ein Schlaglicht auf die Bedeutung und Leistungsfähigkeit dieser Branche. Gerade im ländlichen Raum ist die Forst-und Holzwirtschaft ein wichtiger Arbeitgeber.

Insgesamt sehe ich die Aussichten der Clusterbranchen positiv, insbesondere dann, wenn die Zusammenarbeit weiter gestärkt wird.

Sie sprechen die weiterhin positiven Aussichten der Branche an. Wo sehen Sie für das Cluster Forst und Holz die größten Herausforderungen und Zukunftschancen?

Monika Rauh: Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen im Fokus der Medien und Öffentlichkeit. Hier kann das Cluster Forst und Holz mit bestehenden, aber auch völlig neuen, innovativen Produkten einen gewichtigen Beitrag leisten. Eine Herausforderung ist sicher, diesen Beitrag, den Holzverwendung leisten kann, noch stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Leider erleben wir momentan oft das Gegenteil: Die Nutzung von Holz wird in Frage gestellt.

Innovative Produkte sind ein Kennzeichnen des Wirtschafts- und Industriestandorts Bayern. Wir brauchen sie, um im zunehmenden Wettbewerb bestehen zu können.

Sie sagen, Innovation ist der entscheidende Faktor?

Monika Rauh: Ja, das ist richtig. Für das Cluster ergeben sich in Zukunft wahrscheinlich noch ungeahnte Möglichkeiten, wenn der Blick konsequent auf weitere Innovationen gerichtet wird. In Ihrer Clusterstudie haben Sie festgestellt, dass die Ausgaben für Innovationen mit deutlich unter zwei Prozent des Umsatzes derzeit unterdurchschnittlich sind. Hier gibt es noch Luft nach oben. Es wird dem gesamten Cluster zugutekommen, wenn hieran gearbeitet wird.

Die geringe Innovationsneigung ist auch auf die kleinen Betriebsgrößen im Cluster zurückzuführen. So überwiegen klein- und mittelständische Unternehmen, die wenig Kapital für Innovationen bereitstellen können oder das Thema Innovation aufgrund des Tagesgeschäfts gar nicht erst im Blick haben. Daher ist es von zentraler Bedeutung in Netzwerken zu agieren und Möglichkeiten der gemeinsamen Kooperation zu finden. Hier spielt auch das Cluster Forst und Holz in Bayern eine bedeutende Rolle. Ebenso wichtig wie die Kooperation der Unternehmen im Cluster ist dabei aber auch der Blick über den Tellerrand. Vernetzungen mit anderen Branchen wie der Chemie oder Clustern wie Neue Werkstoffe bergen erhebliche Potentiale.

Eine konsequente und klar nach außen kommunizierte Ausrichtung auf Innovationen sowie die Betonung neuer Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder biobasierte Rohstoffe sind meiner Meinung nach auch ein wichtiges Mittel um die Attraktivität des Clusters für den Nachwuchs weiter zu steigern. Die Innovationsaktivitäten werden sich dann selbst verstärken. Denn mit den jungen, engagierten Köpfen kommt weitere Innovationskraft in die Unternehmen.

Insgesamt sehe ich das Cluster hierbei auf einem guten Weg.

Das Cluster hat sich im Rahmen der Clusterstudie mit der Agenda 2030 konkrete Ziele gesteckt. Wie kann und möchte die bayerische Staatsregierung das Cluster Forst und Holz in Bayern dabei unterstützen?

Monika Rauh: Die Staatsregierung unterstützt das Cluster Forst und Holz in Bayern und damit die Branchenunternehmen in vielfältiger Weise. So wird Ihr Cluster in der dritten Förderperiode der Cluster Offensive auch in den Jahren 2016 bis 2019 finanziell unterstützt. Neben dieser Förderung, die über das Bayerische Landwirtschaftsministerium erfolgt, fördert das Bayerische Wirtschaftsministerium regelmäßig Einzelprojekte, welche die Zukunftsthemen des Clusters voranbringen. Zu nennen sind in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe "Holzbau kompakt", ein Projekt zum "Aufbau des Geschäftsfeldes Innovationsmanagement", das in der Branche bereits bekannte Format "Holz kleben" sowie ein Cross-Cluster-Projekt zur Initiierung von Technologiekooperationen für biobasierte Werkstoffe aus Holz und Kunststoff. Darüber hinaus bringen wir uns auch in nicht finanzieller Art ein. So vertrete ich unser Haus beispielsweise als Mitglied des Clusterbeirates, des Zukunftsnetzwerks Holzbau Bayern und des Lenkungsausschusses "Aktivierung Waldbesitzer".

Sie haben gerade das Format "Holz kleben" angesprochen. Bisher hat das Bayerische Wirtschaftsministerium dieses Veranstaltungsformat beim Clusterpartner Bayern Innovativ gefördert. Wie geht es hier weiter?

Monika Rauh: Im Rahmen der Clusterevaluierung wurden Doppelstrukturen in der bisherigen Förderlandschaft identifiziert. Eine davon war die Existenz des Clusters Forst und Holz in Bayern und des Netzwerkes Holz bei Bayern Innovativ. Um klarere und effizientere Strukturen zu schaffen, wurde beschlossen, diese Doppelstrukturen - und damit das Netzwerk Holz - aufzulösen. Die Federführung bei den Veranstaltungen übernimmt zukünftig das Cluster Forst und Holz in Bayern. Bei den Handlungszielen für das Cluster liegt ein klarer Schwerpunkt beim Thema Innovation. Daher ist ein Format wie "Holz kleben" auch in Zukunft ein wichtiger Baustein der Clusterstrategie. Das Cluster kann hier auf der vorhandenen Expertise aufbauen.

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