Energieholzmarkt 2015 - Interview mit Martin Bentele

    Die Dynamik am Pelletmarkt ist in letzter Zeit ins Stocken geraten. Dazu wurde die Branche durch die Insolvenz von German Pellets, dem größten Produzenten aufgeschreckt. proHolz Bayern hat den Geschäftsführer des Deutschen Energieholz und Pellet-Verbands e.V. (DEPV) Martin Bentele zum Interview gebeten. Bentele steht Rede und Antwort zum Pelletmarkt, zur Versorgung mit Pellets und gibt eine Einschätzung zur aktuellen Energiepolitik und zum Verbandswesen. Das Interview führte Marc Kubatta-Große.

    Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz und Pellet-Verbands e.V. (DEPV)
    Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz und Pellet-Verbands e.V. (DEPV)

    Die Dynamik am Pelletmarkt ist in letzter Zeit ins Stocken geraten. Dazu wurde die Branche durch die Insolvenz von German Pellets, dem größten Produzenten aufgeschreckt. proHolz Bayern hat den Geschäftsführer des Deutschen Energieholz und Pellet-Verbands e.V. (DEPV) Martin Bentele zum Interview gebeten. Bentele steht Rede und Antwort zum Pelletmarkt, zur Versorgung mit Pellets und gibt eine Einschätzung zur aktuellen Energiepolitik und zum Verbandswesen. Das Interview führte Marc Kubatta-Große.

    proHolz: Herr Bentele, das Thema Pellets ist gegenwärtig in den Medien sehr präsent. Allerdings nicht in einer Weise, die Ihnen gefallen kann. Es geht um die Insolvenz von German Pellets. Steckt die Pelletbranche in der Krise?

    Martin Bentele: Es stimmt, das sind keine schönen Nachrichten. Allerdings ist die Insolvenz des Marktführers kein Zeichen einer Branchenkrise, sondern das Resultat eines besonderen Geschäftsmodells mit der Finanzierung durch Mittelstandsanleihen. Die Pelletbranche leidet zwar unter ausbleibendem Winter, niedrigem Ölpreis und stockender Energiewende. Ihre Struktur ist aber grundsätzlich gesund, mittelständisch, regional und nachhaltig ausgerichtet. Heizen mit Pellets hat weiterhin Zukunft in Deutschland und passt auch hervorragend hierher!

    proHolz: Wird das Wegfallen der German-Pellets-Produktion nicht zu einem Versorgungsengpass führen?

    MB: Nein, das wird es nicht. Jeder Heizungsbetreiber bekommt in Bayern und Deutschland die Pellets, die er braucht. Das zeigt sich am eindrucksvollsten am Pelletpreis, der sich den ganzen Winter über nicht bewegt hat. Bei einem Versorgungsengpass würde das anders aussehen!

    proHolz: Wie ist die bayerische Pelletbranche aufgestellt?

    MB: Bayern verfügt bundesweit nach wie vor über die höchste Dichte an Pelletfeuerungen und liegt auch bei der Pelletproduktion vorne: jeder vierte Pressling wird im Freistaat produziert!

    proHolz: Äußert sich das auch in einem besonders starken Zubau an Heizungen?

    MB: Nicht ganz. Beim Absatz haben wir eine interessante Entwicklung. Vor 10 Jahren hatte Bayern bundesweit einen Anteil von fast 40  Prozent an den Pelletkesseln in Deutschland - im Vorjahr dagegen nur noch 27! In anderen Ländern wie Baden-Württemberg legt das Wachstum zu. In Bayern sollte man daher an den Rahmenbedingungen arbeiten, um die ehemalige Dynamik hier wieder herzustellen. Seit September 2015 gibt es jetzt das 10.000-Häuser-Programm, das Pelletheizungen zusätzlich zur Bundesförderung mit 1.000 Euro fördert.

    proHolz: Was sind aus Ihrer Sicht die drei Hauptgründe, sich eine Pelletheizung anzuschaffen?

    MB: Sie ist wirtschaftlich, auch vor dem Hintergrund, dass der Ölpreis momentan im Keller ist. In den vergangenen 10 Jahren waren Pellets im Schnitt 30 Prozent günstiger als Öl. Das und nicht der Tagespreis sollte die Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sein. Dazu spart nichts im Haushalt so viel CO2 ein, wie der Austausch einer fossilen Heizung gegen eine Holzheizung. Gleichzeitig bietet eine Pelletheizung Komfort und ein hervorragendes Emissionsverhalten. Da hätten wir sogar schon vier Gründe!

    proHolz: Gesetzt den Fall, es kaufen sich ab sofort wirklich viele Menschen eine Pelletheizung: Wie sieht es mit der Versorgung mit Pellets in Deutschland und Bayern aus?

    MB: Selbst wenn wir im Jahr 2025 eine Mio. Pelletheizungen hätten, jetzt sind es rund 400.000, würden die in Deutschland anfallenden Späne zur Herstellung der nötigen Pellets ausreichen. Je Heizung werden rd. 5 Tonnen pro Jahr verbraucht, das wären insges. 5 Mio. Tonnen. Derzeit fallen bundesweit 6,5 Mio. Tonnen Späne jährlich an, die natürlich an einem Markt gehandelt werden und nicht automatisch der Pelletproduktion zur Verfügung stehen. Dazu kommt dann aber noch ein größeres Potenzial an nicht sägefähigem Rundholz. Die Versorgung wäre also selbst bei rapidem Zuwachs kein Problem.

    proHolz: Besonders viel nicht sägefähiges Rundholz fällt im Laubholz an. Gibt es da inzwischen befriedigende Ergebnisse bei der Pelletierung?

    MB: Die Pappel wird heute schon pelletiert. In Frankreich mit seinen hohen Laubholzanteilen nutzt man die Eiche bereits heute in der Pelletproduktion. Technisch geht das also. Bei uns ist der Bedarf noch nicht da.

    proHolz: Es sind in jüngster Zeit große Produktionskapazitäten für Pellets in den USA entstanden. Heize ich als Verbraucher am Ende mit amerikanischen Pellets?

    MB: Nein, das regelt der Markt, und wir haben ja genügend Presslinge hier. Die Überseeproduktion ist darauf ausgerichtet, die Stromerzeugung in umgerüsteten Kohlekraftwerken zu bedienen, wie sie in manchen europäischen Ländern subventioniert wird. In Deutschland werden Pellets nur am Wärmemarkt verwendet. Die Versorgung mit Überseepellets würde bei uns mehrfaches Umladen und eine komplizierte Logistik bedeuten. Darunter würden Qualität und Pelletpreis leiden.

    proHolz: Bei verschiedenen Anlässen äußerten Sie sich kritisch zum Begriff Bioenergie. Was stört Sie daran?

    MB: Warum soll die moderne Holzenergie Begriffe wie Bioenergie oder Biomasse nutzen, die vielfach negativ belegt sind, da sich auch ökonomisch und ökologisch Zweifelhaftes dahinter verbirgt. Automatisch betriebene Holzfeuerungen, hocheffizient und emissionsarm, sind Musterknaben und High-Tech-Produkte. Als strategischen Partner sehe ich für uns die Solar- und nicht die Bioenergie.

    proHolz: Wie weit stehen die verschiedenen Holzsortimente für die Energiezeugung im Wettbewerb zueinander?

    MB: Sie sagen ja schon "im Wettbewerb". Das zeigt, der Markt regelt das sinnvoll. Größe und Technologie sind aber ausschlaggebend für das benötigte Sortiment. Holzheizkraftwerke mit mehreren MW Kapazität sind ausgelegt auf Versorgung mit Holzabfällen - mit hohen Wasser- und Ascheanteilen. Einzelheizungen brauchen dagegen qualitativ hochwertige Brennstoffe, vorzugsweise Pellets. Wo zertifizierte Hackschnitzel oder Pellets passen, das sind Nahwärmenetze bis 1 MW Leistung, die oft in ländlichen Kommunen betrieben werden. Hier werden wir auch die Abnehmer für Qualitätshackschnitzel finden!

    proHolz: Wie sieht der Wettbewerb zwischen energetischer und stofflicher Verwendung von Holz heute aus?

    MB: Der hat sich doch sehr entspannt. Weder von Papier- noch von Plattenseite höre ich momentan ernstzunehmende Klagen der Unterversorgung. Wir haben genügend Sägespäne genauso wie auch Waldrestholz, und wer mit seinem erzeugten Holzprodukt - egal ob stofflich oder energetisch - Wertschöpfung schafft, kann sich das Restholz auch leisten!

    proHolz: Sie mahnen immer wieder an, dass der Wärmemarkt Teil der Energiewende werden muss. Warum ist er das bisher nicht und was muss aus Ihrer Sicht konkret passieren?

    MB: Der Wärmemarkt ist viel komplizierter und komplexer als der Strommarkt. Bei der Stromversorgung kann die Politik an drei Schrauben drehen, die Kosten kann der Einzelne kaum nachvollziehen. Man kann den Menschen aber nur schwer dazu zwingen, eine neue Heizung zu kaufen. Es gibt keine politischen Patentrezepte im Wärmemarkt, schon gar kein kurzfristiges. Am allereinfachsten wäre eine CO2-Steuer für Energieträger, wie es sie z.B. in der Schweiz gibt!

    proHolz: Der DEPV ist Mitglied bei proHolz Bayern. Wie sehen Sie die Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit in der Holz- und Holzenergiebranche aufgestellt?

    MB: Nach Abwicklung des Holzabsatzfonds haben es Forst- und Holzwirtschaft auf Bundesebene nicht geschafft, ein Dachmarketing zur Holzverwendung auf freiwilliger Basis fortzuführen. Wir wollten daher den Weg von proHolz Bayern unterstützen, im Freistaat das Thema Holzverwendung über PR und Marketing voran zu bringen. Die moderne Holzenergie mit Pelletfeuerungen passt sehr gut dazu. Schließlich soll Klimaschutz sowohl gemeinsam durch die stoffliche wie auch die energetische Holzverwendung voran gebracht werden!

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