Interview mit Prof. Hubert Röder von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

    Prof. Hubert Röder, Hochschule Weihenstephan-TriesdorfProf. Dr. Hubert Röder ist seit Herbst 2013 Professor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf am Standort Straubing. Er leitet dort das Fachgebiet für Betriebswirtschaft Nachwachsender Rohstoffe. Auf der Basis von LWF-Berechnungen hat er aktuell eine Kurzstudie zur Klimaschutzleistung der Forst und Holzwirtschaft in Bayern zusammengestellt. Marc Kubatta-Große hat ihn dazu interviewt.

    Prof. Dr. Hubert Röder ist seit Herbst 2013 als Professor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf am Standort Straubing tätig. Er leitet dort das Fachgebiet für Betriebswirtschaftslehre Nachwachsender Rohstoffe. Der vorher als Senior Consultant für die Pöyry Management Consulting GmbH in Freising tätige Röder wird sich intensiv mit angewandter Forschung rund um Wirtschaftlichkeit und Management des stofflichen und energetischen Einsatzes Nachwachsender Rohstoffe (z.B. KUP) beschäftigten. Aktuell hat er auf der Basis von LWF-Berechnungen eine Kurzstudie zur Klimaschutzleistung der Forst und Holzwirtschaft in Bayern zusammengestellt. Marc Kubatta-Große hat ihn dazu interviewt.

    1. Professor Röder, warum ist es eine gute Idee, ein Holzhaus zu bauen?

    Prof. Hubert Röder, Hochschule Weihenstephan-TriesdorfEin Holzhaus ist nicht nur sehr energiesparend und ökologisch, es ist auch ein hervorragender Speicher für CO2 und ist damit ein sehr effektiver Beitrag zum Klimaschutz.

    2. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile von Holz gegenüber anderen Baustoffen?

    Der Baustoff Holz ist sehr leicht und tragfähig und erzeugt durch seine atmungsaktive Oberfläche sowohl im Sommer wie auch im Winter ein sehr angenehmes Raumklima. Als Baustoff hat es zusätzlich eine einmalige Klimaschutzbilanz, da es zum größten Teil aus CO2 der Atmosphäre besteht, welches durch die Photosynthese in Form von Kohlenstoff-Verbindungen gespeichert ist. So wird in einem Kubikmeter Massivholz knapp eine Tonne CO2 gespeichert, womit Holz einer der besten nachwachsenden CO2-Speicher ist, den wir haben. Diese ausgesprochen positive Klimaschutzbilanz ist für konventionelle Baustoffe wie Beton, Ziegel oder Stahl unerreichbar.

    3. Einige Leute sind der Meinung, man solle den Wald nicht mehr bewirtschaften und kein Holz mehr ernten. Was sagen Sie denen?

    Wenn wir mit der Bewirtschaftung unserer Wälder aufhören, stellen sich im Verlauf der nächsten Jahrhunderte urwaldähnliche Strukturen ein. Die Klimabilanz dieser Waldstrukturen ist jedoch ein Null-Summen-Spiel. Es wird mittelfristig durch das Verrotten des Totholzes immer genauso viel CO2 frei, wie in den nachwachsenden Bäumen oder im Waldboden gebunden wird. Dadurch geht die Möglichkeit des Speicherns von CO2 in Holzprodukten und die Substitution konventioneller Bau- und Rohstoffe verloren, was unter dem Strich wesentlich schlechter für die CO2-Bilanz ist.

    Durch die zurückhaltende Bewirtschaftung unserer Wälder haben wir in Bayern in den letzten Jahren ca. 10 Mio. t CO2 pro Jahr im Wald gespeichert. Die Nutzung des Waldes hat zusätzlich in den letzten Jahren zu einer Speicherung in Holzprodukten von netto über 2 Mio. t CO2 pro Jahr geführt. Den stärksten Effekt aber haben wir mit der Substitution von Bau- und Rohstoffen mit schlechter Energiebilanz durch Holzprodukte. Hier wurden in den letzten Jahren zusätzlich 22 Mio. t CO2 pro Jahr vermieden und im fossilen Speicher unter der Erde belassen.

    4. Für den Normalbürger ist das schwer vorstellbar: Man fällt einen Baum und das ist dann gut fürs Klima? Erklären Sie uns das.

    Neben der Speicherung von CO2 im Holz liegt der Haupteffekt eben im Ersatz energieaufwändigerer Bau- und Rohstoffe. Durch den Einsatz von Holz reduzieren wir sehr effektiv die jetzige Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle und damit bleibt das CO2 unter der Erde, wo es das Klima nicht schädigen kann. Durch den Bau eines Holzhauses speichern und vermeiden wir ungefähr die Menge CO2, die durch das Fahren von 1 Mio. Kilometern mit dem Auto verursacht wird.

    Insgesamt hat der positive jährliche Klimaschutzeffekt von Wald und Holz in Bayern mit 35 Mio. t CO2 in den letzten Jahren fast die Hälfte der gesamten CO2-Emissionen Bayerns (ca. 80 Mio. t CO2) betragen.

    5. Gibt es andere Gründe außer dem Klimaschutz, aus denen Sie ein Holzhaus empfehlen würden?

    Ein Holzhaus besitzt einfach ein sehr gesundes Wohnklima, was zu einem sehr hohen Wohnkomfort führt. Aber die Vorteile von Holz kommen nicht nur in einem Holzhaus zur Geltung, sondern insbesondere auch bei der Sanierung bestehender Häuser. Hier bietet Holz einen ganzen Strauß an positiven Effekten: Speichern von CO2 direkt im Dämmstoff, Substitution und damit Belassen von fossilem CO2 unter der Erde, Reduktion der notwendigen Heizenergie, die wir bei dieser Gelegenheit auch gleich mit Holzpellets oder Holz-Hackschnitzeln decken können. Damit sparen wir nicht nur jedes Jahr bares Geld, sondern sorgen auch dafür, dass es in der Region investiert wird. Und wenn Sie dann auch noch jemanden in der Familie haben, der Wald besitzt, ist es doch am Ende des Tages ein gutes Gefühl, mit einem funktionierenden Generationenvertrag auch noch das Klima zu schützen.

     

    Weitere Informationen

    Informationen zur Klimaschutzleistung von Forst und Holz können Sie unter der neuen Kampagnenwebsite www.holzbewegt.de beziehen.

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