Interview mit MR Franz Brosinger über die Bundeswaldinventur 2012

    MR Franz Brosinger, Referat Waldbau, Waldschutz und BergwaldMR Franz Brosinger leitet am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten das Referat Waldbau, Waldschutz und Bergwald und ist dort auch für die Bundeswaldinventur 2012 (BWI 2012) zuständig. Durchgeführt wurde die BWI 2012 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Wolfgang Mai von der Clusterinitiative hat sich vor dem Hintergrund der BWI 2012 über die Entwicklung unserer Wälder informiert.

    MR Franz Brosinger leitet am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten das Referat Waldbau, Waldschutz und Bergwald und ist dort auch für die Bundeswaldinventur 2012 (BWI 2012) zuständig. Durchgeführt wurde die BWI 2012 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Wolfgang Mai von der Clusterinitiative hat sich vor dem Hintergrund der BWI 2012 über die Entwicklung unserer Wälder informiert.

    Herr Brosinger, "Mehr Wald, mehr Laubbäume, mehr Totholz" konnte Forstminister Helmut Brunner kürzlich verkünden. Wie die Ergebnisse der BWI 2012 zeigen, ist der Wald in Bayern in guten Händen und durch die Arbeit der Waldbesitzer steigt der Mischwaldanteil kontinuierlich.

    1. Welche zahlenmäßigen Ergebnisse der BWI 2012 würden Sie besonders hervorheben?

    MR Franz Brosinger, Referat Waldbau, Waldschutz und BergwaldDie Zahlen der Dritten Bundeswaldinventur zeigen eindrucksvoll, wie Waldbesitzer und Forstleute die biologische Vielfalt in unseren Wäldern erweitern und den Wald als Lebensraum verbessern. Ein wichtiger Weiser für eine naturnahe Forstwirtschaft ist z.B. die Entwicklung der Baumartenanteile. Seit mehr als 40 Jahren nimmt der Anteil der Laubbäume kontinuierlich zu, im Gesamtwald von 22% im Jahre 1971 auf 36% in 2012. Auch in der Verjüngung, also der kommenden Waldgeneration, dominieren die Laubbäume mit rund 54% Anteil. Gleichzeitig sind die Flächenanteile bei Fichte und Kiefer zurückgegangen.

    Fichte, Kiefer, Buche und Eiche nehmen zwar rd. drei Viertel der Waldfläche ein. Dennoch weisen unsere Wälder eine breite Palette von Baumarten auf: Im Rahmen der Inventur wurden insgesamt 51 verschiedene Baumarten ermittelt. Weitere Beispiele für größere Naturnähe sind das innerhalb der letzten 25 Jahre von 74 auf 83 Jahre gestiegene Durchschnittsalter sowie der gegenüber der letzten BWI um ca. zwei Kubikmeter pro Hektar höhere Totholzvorrat.

    Der Holzvorrat beträgt weiterhin rund eine Milliarde Festmeter und auch der durchschnittliche Zuwachs erreicht mit 11,9 Vorratsfestmetern einen Spitzenwert.

    2. Welche Entwicklungen stehen hinter diesen Zahlen?

    Die positive Entwicklung ist ganz wesentlich darauf zurückzuführen, dass die Waldbesitzer ihre Wälder intensiver gepflegt und verjüngt haben. Durch Waldumbau von Nadelholzreinbeständen in gemischte Wälder haben sie die Risiken gesenkt und gleichzeitig die Vielfalt erhöht. Durch Erhöhung der Nutzungen - im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft - konnten Vielfalt und Artenreichtum sowie die Stabilität und Leistungsfähigkeit unserer Wälder kontinuierlich erhöht werden. Bayerns Waldbesitzer zeigen so, dass sich Schützen und Nutzen durch eine integrative Bewirtschaftung vereinbaren lassen.

    3. Eine der interessantesten Kenngrößen ist die Vorratsentwicklung. Können Sie die Entwicklung in diesem Bereich genauer beschreiben?

    In Bayern stocken rd. ein Viertel der gesamten Holzvorräte in Deutschland. Der Gesamtvorrat ist seit 2002 mit rund 987 Millionen Kubikmetern seit der letzten BWI nahezu konstant geblieben. Nach Baumartengruppen zeigen sich jedoch unterschiedliche Trends: Die Laubholzvorräte haben weiter zugenommen, die Nadelholzvorräte sind zurückgegangen. Der Vorratsrückgang fand dabei ausschließlich bei Fichte und Kiefer statt und ist in erster Linie das Ergebnis eines gezielten Waldumbaus, also eines geplanten Vorgehens. Die Waldbesitzer haben damit gleichzeitig ihr Betriebsrisiko gesenkt und die Chance für den Aufbau von stabilen, gemischten Wäldern genutzt. Nach der Phase des Nachkriegs-Wiederaufbaus unserer Wälder ist damit eine Phase der Konsolidierung eingetreten.

    Bei der Vorratsverteilung nach Stärkeklassen setzte sich die bereits für den Zeitraum 1987 und 2002 festgestellte Entwicklung zu mehr Starkholz bei allen Baumarten fort. So liegt der Anteil von Starkholz über 60 cm BHD über alle Baumarten bei 9,3%. Besonders hohe Starkholzanteile weisen Buche (15,5%) und Eiche (22,2%) auf. Demgegenüber sind insbesondere bei Fichte die Vorräte an mittelstarkem Holz zurückgegangen.

    Niemand muss dabei einen Substanzverlust in unseren Wäldern befürchten, im Gegenteil: Bayern hat mit 396 Festmetern pro Hektar Waldfläche weiterhin bundesweit die höchsten Durchschnittsvorräte und bleibt durch den gezielten Aufbau von Verarbeitungskapazitäten und die Steigerung der Holzverwendung im Baubereich Holzland Nr. 1 in Deutschland.

    4. Wie haben sich die Zuwächse in Bayerns Wäldern entwickelt?

    Jährlich wachsen rund 29,5 Millionen Kubikmeter Holz nach. Knapp nach Baden-Württemberg haben wir in Bayern damit die zweithöchsten Zuwächse pro Hektar in Deutschland. Mit 11,9 Vorratsfestmetern pro Hektar und Jahr sind in Bayern die Zuwächse - wie im gesamten Bundesgebiet - zwar leicht zurückgegangen, befinden sich aber weiter auf hohem Niveau. Der Zuwachsrückgang ist unter anderem auch auf den Waldumbau weg von Nadelholzreinbeständen hin zu Mischwäldern, auf den gestiegenen Laubbaumanteil sowie den damit einhergehenden Rückgang der zuwachsstarken jüngeren und mittelalten Fichtenbestände zurückzuführen: Bei der Fichte beträgt der Zuwachs 15,1 Kubikmeter und bei der Buche 10,7 Kubikmeter pro Hektar und Jahr.

    5. Konstante Holzvorräte bedeuten, dass in den letzten Jahren die Holznutzungen gestiegen sind?

    Das ist richtig. Zwischen 2002 und 2012 wurden in Bayern pro Jahr rund 28,1 Millionen Kubikmeter Holz genutzt. Dies ist eine Steigerung gegenüber der letzten Inventur im Jahr 2002 um 43%. Mit rund 19,1 Millionen Kubikmetern entfielen fast 70% der Nutzungen auf die Fichte, dann folgen Kiefer (rund 3,7 Millionen Kubikmeter) und Buche (rund 2,2 Millionen Kubikmeter). Insgesamt lagen die Nutzungen unter dem Zuwachs. Bei der Holzvorratsentwicklung ist jedoch auch noch die natürliche Mortalität zu berücksichtigen: rund 2,6 Millionen. Kubikmeter verblieben durch natürliche Absterbeprozesse als Totholz im Wald. Damit liegen jährlicher Zuwachs und Abgang als Summe aus Nutzung und natürlicher Mortalität fast gleichauf.

    6. Wo sehen Sie für die Zukunft Nutzungspotentiale?

    Anders als im Landesdurchschnitt sind im Kleinprivatwald mit Besitzgrößen bis 20 Hektar die Holzvorräte weiter angestiegen. Gerade Kleinwaldbesitzer haben oft erhebliche Strukturnachteile bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder. Ziel der Bayerischen Forstpolitik ist es deshalb, diese Waldbesitzer gezielt zu unterstützen. Aus diesem Grund wird die im Jahr 2013 gestartete Kampagne zur Aktivierung der Waldbesitzer vor allem im Kleinprivatwald fortgesetzt. Mit der neuen Richtlinie für Zuwendungen zu waldbaulichen Maßnahmen im Rahmen eines forstlichen Förderprogramms (WALDFÖPR 2014) wurden spezielle Anreize für Besitzer kleinerer Wälder geschaffen, ihre Wälder naturnäher und klimatoleranter zu gestalten. Auch die Waldumbauprojekte und die Bergwaldoffensive tragen dazu bei.

    7. Welche Kenngrößen der BWI 2012 sprechen für eine naturnahe Entwicklung der bayerischen Wälder?

    Im Rahmen der BWI wurden verschiedene Parameter aufgenommen, die Rückschlüsse auf die Naturnähe zulassen. Neben den deutlich gesteigerten Laubbaum- und Totholzanteilen sowie dem höheren Durchschnittsalter haben sich im letzten Jahrzehnt weitere Strukturparameter verbessert. So sind inzwischen 85% aller Bestände gemischt, 77% weisen mehrschichtige Strukturen auf und 85% der Verjüngung wachsen in Schirmstellung unter alten Bäumen auf. Das zeigt deutlich, dass langfristige Verjüngungsverfahren unsere heutigen Wälder prägen, Kahlschläge gehören der Vergangenheit an.

    Zugleich gibt es gezielte Initiativen zum Aufbau differenzierter Waldstrukturen und zum Erhalt alter Bäume. Vor allem in den öffentlichen Wäldern werden viele naturschutzrelevante Maßnahmen in den praktischen Forstbetrieb integriert. Ziel ist es, neben wirtschaftlichen Aspekten auch ökologischen Ansprüchen wie bspw. dem Artenschutz ausreichenden Raum zu geben. Im bayerischen Staatswald werden hierzu spezielle Naturschutzkonzepte erstellt, im Privat- und Körperschaftswald gibt es entsprechende Förderprogramme. So erhöhen sich die biologische Vielfalt und gleichzeitig die Attraktivität unserer Wälder für Erholungssuchende.

    8. Klimaschutz und Energiewende sind Megatrends unserer Zeit. Eine wesentliche Einflussgröße der Forst- und Holzwirtschaft für beide Zielsetzungen ist das CO2. Die Speicherwirkung der bayerischen Wälder ist laut BWI leicht gestiegen. Welche Bedeutung hat die Waldbewirtschaftung für den Klimaschutz?

    Der gesamte in der Biomasse des aufstockenden Vorrates (nur lebende Bäume) enthaltene Kohlenstoff beläuft sich im Gesamtwald Bayerns auf fast 300 Millionen Tonnen. Dies entspricht einer Gesamtmenge von 1,1 Milliarden Tonnen CO2. Neben dem im Wald gebundenen Kohlenstoff spielen die aktive Holznutzung und eine möglichst langfristige Holzverwendung eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. In Holzprodukten wird Kohlenstoff für längere Zeit dem Kohlenstoffkreislauf entzogen. Holz ist, auch wenn es einer energetischen Verwertung zugeführt wird, CO2-neutral.
    Der nachhaltig bewirtschaftete Wald bildet zusammen mit der Verwendung des Rohstoffes Holz somit eine wichtige Kohlenstoffsenke.
    Auch dies ist ein wichtiger Grund, den erfolgreichen Weg der nachhaltigen und naturnahen Waldbewirtschaftung und einer vielseitigen Holzverwendung in Bayern weiter zu gehen und so einen wichtigen Beitrag zum aktiven Klimaschutz zu leisten.

    9. Welche Rolle spielt die Holzverwendung beim Klimaschutz?

    Der nachhaltig genutzte Wald ist in Verbindung mit einer stofflichen Verwertung des Rohstoffes Holz einem stillgelegten Wald auf lange Sicht bezüglich CO2- und Klimaschutzwirkung immer überlegen. Grund dafür ist, dass zusätzlich zum wachsenden Waldbestand auch noch langfristig Kohlenstoff im verbauten Holz festgelegt wird. Energieintensive Bau- und Werkstoffe können durch innovative Holzprodukte ersetzt werden, was zu einer weiteren Vermeidung von CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern führt.

     

    Aktuelle Informationen zur Bundeswaldinventur 2012:

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