Holzkirchen: Holzbau schafft Wohnraum – schnell, günstig, flexibel und hochwertig

Holzkirchen - Über 100 Teilnehmer waren bei der Infoveranstaltung des Impuls Forst und Holz zugegen. Im Grünen Zentrum Holzkirchen wurde über die Möglichkeiten und Grenzen des Holzbaus aus den verschiedensten Perspektiven, etwa in puncto regionaler Wertschöpfung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Errichtung von Flüchtlingsunterkünften sowie nachhaltiges Bauen und Sanieren diskutiert. Alle Beteiligten sprachen sich für eine vermehrte Nutzung des Rohstoffs aus.

Holzkirchen -Über 100 Teilnehmer waren bei der Infoveranstaltung des Impuls Forst und Holz zugegen. Im Grünen Zentrum Holzkirchen wurde über die Möglichkeiten und Grenzen des Holzbaus aus den verschiedensten Perspektiven, etwa in puncto regionaler Wertschöpfung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Errichtung von Flüchtlingsunterkünften sowie nachhaltiges Bauen und Sanieren diskutiert. Alle Beteiligten sprachen sich für eine vermehrte Nutzung des Rohstoffs aus.

Vertreter des Impuls Forst und Holz
V.l.: Jakob Bscheider, Zimmererinnung; Hans Röhrmoser, 2. Vorsitzender der WBV Holzkirchen; Hans Killer, 1. Vorsitzender der WBV Wolfratshausen; FD Stefan Kramer, AELF Holzkirchen; FD Wolfgang Neuerburg, AELF Holzkirchen

In kürzester Zeit günstigen, aber dennoch hochwertigen Wohnraum zu schaffen, diesen Anforderungen sehen sich in letzter Zeit viele Kommunen ausgesetzt. „Wir wollen in unserem Symposium aufzeigen, wie mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz umweltfreundlicher, schöner und vor allem auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann“, so Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen und Vertreter des Impuls Forst und Holz. Und weiter: „Der Holzbau bietet die notwendige Flexibilität, ein Gebäude den wechselnden Bedürfnissen der Kommunen anzupassen und dieses beispielsweise als Flüchtlingsunterkunft und anschließend als Sozialwohnung zu nutzen.“

Dabei will der Impuls Forst und Holz keine fertigen Standardlösungen vorstellen, sondern die Möglichkeiten und Chancen, aber auch die Grenzen des Holzbaus deutlich machen. Das Grüne Zentrum Holzkirchen als Tagungsort stellt bereits ein Beispiel eines gelungenen Holzbaus dar.

Impuls Forst und Holz mit großer regionaler Wertschöpfung

Den Impuls Forst und Holz, einen Zusammenschluss aus den Waldbesitzervereinigungen Wolfratshausen und Holzkirchen sowie den Schreiner- und Zimmererinnungen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach bezeichnete Kramer als einen Motor der Forst- und Holzwirtschaft. Deren regionale Wertschöpfung wird aber in Politik und Wirtschaft meist unterschätzt. So sichern 100 Kubikmeter Holz einen Arbeitsplatz. Bei einem Zuwachs von ca. 10 Kubikmeter Holz je Hektar und Jahr und über 106.000 Hektar Wald in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach wird die wirtschaftliche Bedeutung mehr als deutlich.

Holz als der „perfekte“ Rohstoff

Die Schirmherren der Veranstaltung, die Landräte Wolfgang Rzehak und Josef Niedermaier, bezeichneten Holz als den „perfekten“ Rohstoff. Landrat Rzehak sieht in Holz den regional nachwachsenden umweltfreundlichen Rohstoff, der sehr gut zur Ökomodellregion Miesbach passt und mit dem eine hohe regionale Wertschöpfung erzielt werden kann. Landrat Niedermaier hatte im eigenen Bäckereibetrieb mit Holz gebaut, damit beste Erfahrungen gemacht und appellierte daher an die Kommunen aus tiefer Überzeugung: „Ich wünsche mir viele kommunale Holzbauten.“

Flexible Nutzung ohne Änderung des Gebäudes

„Schnell zu errichten, günstig zu erstellen, flexibel nutzbar und vielerorts einsetzbar“, das waren die Vorgaben, die Maren Kohaus, Architektin an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München, ihren Studenten für die Planung eines Holzbaus auf einem innerstädtischen Grundstück in München stellte. Zudem musste ein Anbauen bzw. Weiterbauen möglich sein und die Nachhaltigkeit im gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden. Sie zeigte, wie solch anspruchsvolle Bedingungen durch einen gut geplanten Holzbau in hervorragender Weise erfüllt werden können. Beeindruckend war, wie auf kleinsten Flächen durch intelligente Planung einerseits Privatsphäre und andererseits Raum für Austausch und Geselligkeit geschaffen werden kann. Eine Änderung der Nutzung und damit der Flächenzuschnitte der Wohnungen gelingt ohne Veränderungen der Gebäudehülle. Nur die Innenwände müssen den neuen Ansprüchen angepasst werden.

Nachhaltige Architektur mit Holzkonstruktionen

Dass der Begriff der „Nachhaltigkeit“ im Bausektor eine größere Berücksichtigung erfahren muss, verdeutlichte Kohaus mit folgenden – geschätzten – Zahlen: Der Bausektor verursacht 40 % aller Treibhausgase, benötigt 40 % der gesamten Energie, verwendet 50 % aller Materialien, die auf der Erde produziert werden und verursacht 60 % des Mülls. Wer hingegen mit Holz baut, kann das benötigte Baumaterial um 50 % reduzieren, spart 50 % fossile Energie ein und reduziert das Treibhauspotenzial im Vergleich zu konventionellen Gebäuden um 50–70 %. Eine nachhaltige Architektur berücksichtigt aber nicht nur die Errichtung, sondern auch die Instandhaltung und den Rückbau der Gebäude.

Kürzeste Bauzeit durch weitgehende Vorfertigung

Die weitgehende Vorfertigung im Zimmereibetrieb ermöglicht nicht nur eine sehr hohe Präzision, sondern reduziert vor allem auch die Bauzeit und damit die Belastung der Anwohner auf ein Minimum. Gerade im innerstädtischen Bereich werden umfangreiche Neubauten und Sanierungen dadurch erst möglich. Zudem können bei entsprechender Planung die Kosten entscheidend gesenkt werden. Ihre Ausführungen belegte die Architektin anschaulich mit zahlreichen, bereits realisierten Projekten.

Regionale Anbieter für Holzbauten

Alexander Habla, Geschäftsführer der Zimmerer-Innung München, zeigte anhand der Internetseite www.schneller-wohnraum.de, wie auch größere Holzbauten mit regionalen Anbietern realisiert werden können. Eine Stärke, aber auch eine Schwäche des Zimmererhandwerks ist aus seiner Sicht die Größe der Betriebe. Großprojekte können oft nur in einem Zusammenschluss von Betrieben gemeistert werden. Er zeigte, wie freie Kapazitäten einfach ermittelt und der richtige Ansprechpartner gefunden werden kann. Er rief dazu auf, vorhandene Bauten zu nutzen, um diese aufzustocken oder anzubauen. Hierfür eignet sich der Holzbau aufgrund seiner hohen Flexibilität optimal.

Kosten für Wärmeschutz viel geringer als für Brand- und Schallschutz

In die gleiche Richtung argumentiert Alexander Gumpp, Vizepräsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks. „Wegreißen und neu bauen ist eine Ressourcen- und Geldverschwendung. Besser ist eine Generalsanierung für die nächsten 80 Jahre“, zeigt er sich überzeugt. Passivhäuser sind bei Holzbauten heute Standard. Gumpp erwartet, dass die Energieeinsparverordnung bis zum Jahr 2022 dies für alle Neubauten vorschreiben wird. Er sieht das als unproblematisch, da nicht die Kosten für den Wärmeschutz, sondern die Vorgaben für den Brand- und Schallschutz für die Baukosten entscheidend sind. Er sieht die Zukunft im Hybridbau, also in einer Mischung der Baustoffe.

Dauerhafter Wohnraum statt Container

Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er die Vielfältigkeit des Holzbaus auf. Selbst Tankstellen hat seine Firma in Holzbauweise erstellt. Detaillierter ging er auf die Flüchtlingsunterkünfte in Königsbrunn ein. Dort sollten keine „Leuchttürme der Architektur“, sondern ein „langweiliger, robuster Holzbau“ mit sehr hoher Standardisierung und geringem Wartungsaufwand erstellt werden. Die Gebäudehülle und die technischen Standards sind auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt und erfüllen alle aktuellen Standards. Der Innenausbau und insbesondere die Nassräume wurden extrem robust gebaut, da Wohnungen für Asylsuchende drei- bis viermal dichter belegt sind als normale Wohnungen. Er sprach sich klar gegen Containersiedlungen im Außenbereich aus. Neben fehlenden Integrationsmöglichkeiten für die Bewohner sind nach seinen Berechnungen auch die Kosten für zehn Jahre mit 3000 €/m² Wohnfläche viel höher als für die vorgestellten Holzbauten mit 2000 €/m².

Zuwachs der heimischen Wälder besser nutzen

Mehrfach wurden von allen Referenten das angenehme Raumklima der Holzbauten sowie die hohe ökologische Wertigkeit angesprochen. Dass der umweltfreundliche und nachwachsende Rohstoff Holz aus den Wäldern der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach stärker genutzt werden sollte, war einhellige Meinung. Sowohl bei den Zimmererinnungen wie auch bei proHolz Bayern können sehr informative und gut konzipierte Broschüren zum kommunalen und privaten Holzbau kostenlos angefordert werden.


Pressemitteilung des Impuls Forst und Holz vom 26.07.2016

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