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Innovationsmanagement gestalten - Interview Prof. Ebersberger Innovation

 

Der Verein proHolz Tirol, die Universität Innsbruck, die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern und das Holzforum Allgäu haben sich im Interreg-Projekt „Inno4wood“ zusammengeschlossen, um grenzübergreifend Innovationen in der Forst- und Holzbranche zu fördern. Prof. Bernd Ebersberger vom MCI Management Center der Internationalen Hochschule Innsbruck begleitet das Projekt eng in seiner

Rolle als Beiratsmitglied. Markus Blenk, einer der Holzbotschafter für "Inno4wood", befragte den Fachmann für Innovationsmanagement zum Thema Innovationen.

Herr Prof. Ebersberger, Sie sind anerkannter Experte in den Bereichen Innovationsmanagement und Organisation von Industrieprozessen. Was war das am meisten faszinierende Innovationserlebnis in Ihrem Leben?

Herzlichen Dank für das Kompliment. In der Tat beschäftige ich mich seit fast zwei Jahrzehnten mit Innovation. Es ist schwer zu sagen, was das faszinierendste Innovationserlebnis in meinem Leben war. Es gibt Augenblicke großer Faszination und Dankbarkeit, dass es technischen Fortschritt und Innovation gibt. Beispielsweise wenn Innovationen Menschen, die nicht mehr sprechen können, durch Fortschritt bei der Entwicklung von Medizingeräten, wieder verbal kommunizieren können. Und es gibt diese kleinen Innovationen, die wir alle kennen, die uns erstaunen und vielleicht einfach nur gut schmecken. Wenn beispielsweise ein Mineralwasser mit Wacholder und Zitrone so versetzt wird, dass es wie Gin-Tonic schmeckt.

Sie sehen, Innovation ist nicht immer das Große völlig neue. Innovation kann auch eher klein und schrittweise sein. Wichtig dabei sind immer die Umsetzung und das Neue. Nur eine neue Idee zu haben und keine Taten folgen zu lassen, das wäre keine Innovation. Und nichts Neues anzupacken auch das ist keine Innovation.

Welche Megatrends sehen Sie in der Gesellschaft in Bayern in 20 Jahren?

Auch die Frage nach den Trends ist nicht so ganz einfach. Zunächst zeichnen sich die Megatrends, nach denen Sie fragen, dadurch aus, dass wir sie heute schon sehen, sie aber das Leben in weiter Zukunft, eventuell sogar in 20 Jahren, beeinflussen.

Fragt man unterschiedliche Zukunftsforscher, bekommt man unterschiedliche Antworten auf Ihre Frage. Die Frage nach den Megatrends wird also sehr individuell beantwortet

Natürlich gibt es auch hier die Megatrends, die von vielen gesehen und geteilt werden: Urbanisierung, Dynamik alternder Gesellschaften, Klimawechsel. Darüber hinaus sehe ich ein paar übergreifende Trends, die uns sicher die nächsten Jahre beeinflussen werden. Lassen Sie mich drei dieser Trends hier kurz skizzieren: Erstens, die Nachhaltigkeit betrifft viele gesellschaftliche Bereiche wie Energieerzeugung, Landwirtschaft, Mobilität, Produktion und Konsum. Konzepte, die hierbei diskutiert werden, sind die Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung, Recycling und Upcycling etc. Zweitens, der Individualismus wird durch die immensen Wohlstandsgewinne der letzten Jahrzehnte angetrieben, die eine Selbstentfaltung erst ermöglicht haben. Es hat den Anschein als wäre alles für jeden möglich und natürlich auch erstrebenswert. Nicht nur irgendwann, sondern jetzt und sofort. Den Wunsch nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung zu erfüllen wird eine der wirtschaftlichen Herausforderungen in der näheren Zukunft. Drittens, die Arbeit der Zukunft bezieht sich nicht nur auf die Frage, wann bestimmte Tätigkeiten von Robotern ausgeführt werden. Es stellt sich bei diesem Trend die Frage danach, wie Technologien die Arbeitsabläufe, die wir heute als gegeben ansehen verändern werden. Wie smarte Technologien uns nicht die Arbeit abnehmen, sondern uns helfen die Arbeit besser, kraftschonender und ressourcenschonender zu verrichten.

Diese drei Trends, denen ich noch eine ganze Reihe andere hinzufügen könnte, haben unmittelbare Auswirkung auf die Forst-/Holzbranche.

Und wie können wir im Projekt "Inno4Wood" für die Forst-/Holzbranche darauf jetzt schon reagieren?

Hier, wie bei allen Veränderungen ist es wichtig die Veränderungen nicht zu ignorieren, sondern sich offen mit den Veränderungen und Dynamiken auseinander zu setzen. Diskutieren Sie innerhalb der Unternehmen, wie Sie auf die Veränderungen reagieren können. Überlegen Sie ganz offen und breit, welche der genannten Entwicklungen einen Einfluss auf Ihr Unternehmen hat. Was bedeutet der Individualismus für Ihre Mitarbeiter, wie sehen die Kolleginnen und Kollegen aus, die heute Schülerinnen und Schüler sind, die aber über kurz oder lang Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden? Was können Sie als Unternehmen oder als Verband tun, weiterhin attraktiv zu sein für Menschen, denen Selbstentfaltung wichtig ist? Greifen Sie die Arbeit der Zukunft auf und stellen Sie sich die Frage wie beispielsweise Exo-Skelette die körperlichen Arbeitsbelastungen verringern und Präzision erhöhen können. Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus für Sie und Ihr Unternehmen. Diskutieren Sie welche Möglichkeiten der Werkstoff Holz in einer Kreislaufwirtschaft hat, die den Nachhaltigkeitstrend reflektiert.

Stellen Sie sich diese Fragen, erörtern Sie mit Ihren Mitarbeitern Lösungen und fangen Sie an in kleinen Schritten diese umzusetzen.

Wichtig ist dabei, dass Sie Innovation nicht nur als neue Produkte wahrnehmen, sondern ganz breit diskutieren, wie Sie Neues in Ihr Unternehmen bringen können um für die Zukunft besser gerüstet zu sein.

Welche „Quick Wins“ würden Sie einem Unternehmer der Forst- und Holzwirtschaft auf den Weg geben, um innovativ zu werden/bleiben bzw. was kann ein Unternehmer direkt am nächsten Morgen im Büro tun?

Zunächst ist es vielleicht die größte Herausforderung, deren sich Unternehmen gegenüber sehen, wenn sie innovativ sein wollen, dass Innovation immer eine unsichere Investition in eine hoffentlich bessere Zukunft ist. Sie verzichten ganz bildlich gesprochen darauf, dass beispielsweise ein Mitarbeiter in der Produktion eingesetzt wird und letztlich unmittelbar zu Umsätzen beiträgt. Sie setzen diesen Mitarbeiter oder diese Mitarbeiterin ein, ein Innovationsprojekt voranzutreiben, von dem Sie hoffen, dass es in der Zukunft ertragreich sein wird.

Schnelle Gewinne wird es nur in den seltensten Fällen geben.

Ich will die Frage, was können wir heute tun um morgen innovativer zu sein, natürlich nicht unbeantwortet lassen.

Vorhin hatte ich ja schon darauf hingewiesen, wie hilfreich Offenheit gegenüber Veränderungen im Unternehmen ist. Diskutieren Sie mit Ihren Mitarbeitern. Belassen Sie es jedoch nicht bei einem Dialog mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sprechen Sie mit Ihren Zulieferern, mit Ihren Kunden, ja auch mit Ihren Wettbewerbern. Holen Sie sich Ideen und Inspiration. Übertragen Sie diese um Gottes Willen nicht 1:1 in Ihr Unternehmen. Stellen Sie sich - und Ihren Mitarbeitern - immer die Frage: Wie passt das zu uns? Was müssen wir ändern, damit das wirklich in unser Unternehmen passt?

Suchen Sie sich Partner, mit denen Sie Innovationsprojekte - auch sehr kleine - gemeinsam umsetzen können. Auch hier bieten sich Kunden, Zulieferer und Wettbewerber an. Oder Sie kontaktieren die Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen in Ihrer Nähe und diskutieren, ob und wie gemeinsam Projekte aussehen können. Anders als im Volksmund, verderben hier mehrere Köche nicht den Brei. Gemeinsam mit anderen an Innovationen zu arbeiten hat aus meiner Sicht drei Vorteile: Es erhöht in der Regel die Erfolgswahrscheinlichkeit, es reduziert den individuellen Beitrag und damit das Risiko und es macht einfach Spaß gemeinsam mit anderen an der Zukunft zu arbeiten.

Ich glaube fast das Wichtigste ist, dass Sie mit Herzblut bei der Sache sind. Sie brauchen Leidenschaft um den zusätzlichen Arbeitsaufwand zu stemmen und - ich will hier ganz ehrlich mit Ihnen sein - um das Scheitern von Innovationsprojekten verdauen zu können und sich nicht entmutigen zu lassen. Denn letztendlich ist immer klar, dass Innovationsprojekte auch scheitern und schiefgehen können. Wenn Sie keine Leidenschaft für die Sache haben, dann wird es Ihnen schwerfallen das Scheitern wegzustecken und ein neues Innovationsprojekt zu beginnen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

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