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Kommunikation ist Emotion und Information - Wege zur Digitalisierung - Interview mit Prof. Dr. Ute Seeling

Prof. Dr. Ute Seeling ist als Geschäftsführende Direktorin des KWF (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.) stark in den Ablauf des Projektes KomSilva integriert. Das Projekt KomSilva wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. gefördert und läuft bis Januar 2020. Im Rahmen des Projektes werden Kommunikations- und Beratungshilfen zur Waldbesitzeransprache und für die forstliche Öffentlichkeitsarbeit entwickelt. Das Projekt wird durch das KWF koordiniert. Weitere Projektpartner sind die Clusterinitiative Forst und Holz in Bayern gGmbH, der Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der TU-München sowie Unique Forestry and Landuse.

Eva Tendler hat Prof. Ute Seeling vor dem Projekthintergrund befragt, wie sie digitale Kommunikationsinstrumente persönlich nutzt.

Prof. Dr. Ute Seeling, Geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.
Prof. Dr. Ute Seeling, Geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.

Frau Prof. Seeling, das Jahr 2019 ist noch jung. Welches Walderlebnis hat Sie in dem vergangenen Jahr 2018 besonders beeindruckt und vielleicht sogar zu einem Vorsatz für das neue Jahr geführt?

Bei Waldbesuchen im ausgehenden Jahr 2018 waren es vor allem die dramatischen Trockenschäden, die mich sehr betroffen gemacht haben. Und in diesem Zusammenhang wurde mir nochmal bewusst, wie wichtig es ist, dass sich wirklich jeder, auch die Kleinstwaldbesitzerinnen und -besitzer um ihr Waldeigentum kümmern sollten. Und hier setzt ja das Projekt KomSilva an - wir müssen die Waldeigentümer*innen erreichen und motivieren, dass sie sich mit ihrem Wald befassen und ihre Verantwortung nicht nur für den eigenen Wald, sondern auch für die angrenzenden Wälder erkennen.

Das Projekt KomSilva läuft bis Januar 2020, also nicht mehr ganz ein Jahr. Was sind die Vorsätze für den Endspurt?

Der Endspurt des Projektes wird dadurch geprägt sein, dass wir eng mit den Praxispartnern zusammenarbeiten. In jeder Projektregion wählen sich die Partner Instrumente für die Ansprache von neuen Mitgliedern und für die Öffentlichkeitsarbeit aus, die sie in den nächsten Monaten mal ausprobieren wollen. Ich bin gespannt auf die Reaktionen - und natürlich wollen wir daraus auch lernen, um die Instrumente noch stärker an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen.

Unser Ziel der Projektpartner ist es natürlich, dass die Instrumente über die Laufzeit des Projektes hinaus in der Praxis zur Anwendung kommen.

Im Projekt KomSilva sollen auch die Möglichkeiten moderner, digitaler Kommunikationsmedien ausgelotet werden. Wie nutzen Sie derartige Medien persönlich oder beruflich?

Ich selbst nutze natürlich beruflich und privat den Computer, das Internet und das Smartphone für die Kommunikation. Dazu gehören auch WhatsApp und Facebook. Aufgrund meines Alters bin ich aber kein "Digital Native" und nicht mit dem Computer aufgewachsen und brauche deshalb immer wieder Hilfe und Beratung, um die digitalen Kommunikationsmedien noch besser zu verwenden. Deshalb habe ich großes Verständnis dafür, wenn es in den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen viele Fragen zur optimalen Nutzung und zum zielgerichteten Einsatz gibt, wie wir es im Rahmen von KomSilva immer wieder erfahren haben.

Gerade in der Forstbranche werden die Kommunikationsprozesse immer stärker digital ausgerichtet. Welche Vor- und welche Nachteile bringt das aus Ihrer Sicht?

Es bringt große Vorteile, weil die Waldeigentümerinnen und -eigentümer sehr individuell angesprochen und ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden können. Alle Daten über ihren Wald - Bestand, Standort etc. - sind jederzeit verfügbar und können heute sogar schon visualisiert werden. Damit könnten Waldeigentümer*innen vielleicht schon bald virtuelle Waldspaziergänge unternehmen. Stellen Sie sich vor, dann könnten sich die Waldeigentümer*innen über die aktuellen Vorgänge in ihrem Wald informieren, ohne dass sie vor Ort sind!

Die Nutzung der digitalen Medien durch die Forstwirtschaft setzt allerdings voraus, dass wir eine flächendeckende Netzabdeckung haben - und das ist leider in vielen Regionen noch nicht der Fall. Und diese Kombination aus online und offline macht es natürlich recht kompliziert und führt dazu, dass noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden können.

Digitalisierung ist allgemein ein großes Thema in der Forstbranche. Die Interforst 2018 und der Förderaufruf der FNR (Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe) haben sich beispielsweise mit diesem Thema beschäftigt. Wo sehen Sie hier aus der Sicht Ihres Hauses, des KWF e.V. die größten Herausforderungen?

Ja, da haben Sie recht - das Thema "Forstwirtschaft 4.0" stellt uns vor große Herausforderungen! Wir sind im KWF dabei, dieses Thema zusammen mit vielen Partnern aus Wissenschaft und Praxis zu bearbeiten. Denn auf der einen Seite brauchen wir die Expertise von hochspezialisierten Wissenschaftlern aus den Bereichen Robotik und Industrie 4.0, auf der anderen Seite haben wir es mit Nutzern zu tun, die sich oftmals noch gar nicht vorstellen können, wie diese digitalen Tools denn in natürliche Waldökosysteme passen sollen. Und das ist natürlich eine der Kernaufgaben des KWF - Plattformen zu betreiben, um den Wissens- und Praxistransfer zu organisieren.

Derzeit werden von den Fachleuten so genannte Digitale Zwillinge erzeugt - das müssen Sie sich so vorstellen, dass jeder Bestand, zum Teil sogar jeder Baum, aber auch jeder Waldweg, jedes Waldbiotop digital abgebildet wird, so dass jede Maßnahme simuliert werden kann. Das bietet gerade mit Blick auf die Hintergründe des KomSilva-Projekts ungeheure Chancen, denn Sie können den Waldeigentümern*innen vor Augen führen, wie sich mögliche Maßnahmen voraussichtlich auswirken werden, und welche Handlungsalternativen es gibt. Für Nicht-Förster, die sich bisher mit Fragen, wie die Bäume wachsen oder wie das Holz aus dem Wald kommt, nicht befasst haben und im Einzelnen auch nicht befassen wollen, kann diese Visualisierung eine wertvolle Entscheidungsbasis darstellen.

Der Frühling steht für den Aufbruch und Sie haben im KWF sicher schon einige konkrete Pläne. Wo sehen Sie 2019 die Schwerpunkte ihrer Arbeit?

Tatsächlich ist "Forstwirtschaft 4.0" ein echter Arbeitsschwerpunkt im KWF in diesem Jahr. 

In der ersten Jahreshälfte haben wir außerdem einige Veranstaltungen: Im Mai die LIGNA in Hannover und im Juni die 5. KWF-Thementage im hessischen Richberg. Auf der LIGNA werden wir auch den neuen KomSilva-Stand vorstellen, wie er z.B. von Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen auf regionalen Gewerbeschauen genutzt werden könnte - und bei den Thementagen geht es um das Thema "Management der Waldwege".

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview, die gute Zusammenarbeit im Rahmen von KomSilva und wünschen Ihnen alles Gute für die kommenden Aufgaben.

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