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Hans-Georg von der Marwitz, seit Anfang 2019 Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) stellt sich vor

Seine Berufung kommt in einer wirtschaftlich schlechten Phase für die deutsche Forstwirtschaft: Trockenheit, schlechte Holzpreise und Insektenkalamitäten setzen den 2 Millionen Waldbesitzern in Deutschland zu. Die Stimmung ist schlecht und die Motivation der Waldbesitzer zur Pflege und Wiederaufforstung ist nicht gerade zum Besten gestellt. Auch große Forstbetriebe bekommen das zu spüren und müssen ihre Gewinnerwartungen deutlich reduzieren. Hans-Georg von der Marwitz, ist seit Anfang 2019 Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Waldbesitzerverbände (AGDW) und folgt damit Philipp zu Guttenberg nach, der das Amt seit 2010 inne hatte.

Der "Deutsche Waldbesitzer - Das Magazin für Privatwaldbesitzer" hat Hans-Georg von der Marwitz zu seinen Erfahrungen und Plänen befragt. Wir dürfen das aktuelle Interview abdrucken und bedanken uns dafür:

 
Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW)
Was werden Ihre ersten Aufgaben sein als neuer Präsident?
Das  zentrale Thema ist natürlich, die gravierenden Auswirkungen von Dürre, Stürmen und Schädlingsbefall aufzuarbeiten. Dieses Thema hat bei mir absolute Priorität. Wir müssen jetzt genau beobachten, was der Frühling bringt, ob erneut eine rasante Vermehrung der Schädlinge droht, wie sich der Holzmarkt entwickelt, und ob eine weitere Trockenperiode vor der Tür steht. Das müssen wir analysieren und möglicherweise weitere Hilfen einfordern

Außerdem muss jetzt dafür gesorgt werden, dass der neue Fördergrundsatz, den der Bund in der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) verankert hat, eins zu eins durch die Landesregierungen umgesetzt wird. Hier baue ich sehr auf die Unterstützung durch die Landesverbände.  

Dieses Jahr wird nicht einfach: Erfahrungsgemäß fällt nach einem Kalamitätsjahr wie dem vergangenen die gleiche Schadholzmenge noch einmal an, weil sich die Käfer vermehren und die Bäume absterben.

 

Reichen 25 Millionen Euro aus, die der Bund den Waldeigentümern in den kommenden 5 Jahren zur Verfügung stellt, um die Schäden zu beseitigen und die Wälder zu stabilisieren?

Es ist ein gutes Signal, dass die Bundesregierung die Waldeigentümer unterstützt. Jedoch ist das viel zu wenig! Eine Summe von 25 Millionen Euro wird angesichts der enormen Schäden in unseren Wäldern nicht reichen. Wir haben jetzt - im Februar 2019 - laut Bundeslandwirtschaftsministerium über 32 Millionen Festmeter Schadholz - das ist fast die Hälfte des Gesamtjahreseinschlags. Für den Privatwald würde gerade mal ein Euro pro Hektar zur Verfügung stehen… Wenn die Schäden zunehmen und weitere Wetterextreme folgen, wird die Bundesregierung ein größeres finanzielles Volumen zur Rettung der Wälder aufbringen müssen.

Wir müssen immer wieder deutlich machen: Die Rettung der Wälder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Waldeigentümer allein können eine solche Katastrophe nicht schultern. Hier wird ein größeres Maß an Unterstützung nötig sein, um die vielfältigen Funktionen aufrecht zu erhalten – von der Erholung über den Klimaschutz bis zur Bereitstellung von Holz. 

 

Welche Unterstützung benötigen die Waldeigentümer darüber hinaus? Welche Maßnahmen müssen angesichts der Katastrophe ergriffen werden?

 Benötigt werden steuerliche Erleichterungen: Die Waldeigentümer sollen das Schadholz, das sie jetzt verkaufen müssen, nicht auch noch voll versteuern, weil sie jetzt finanzielle Mittel z.B. für die Wiederaufforstung, die Wegepflege oder ähnliches brauchen. Darüber hinaus benötigen die Waldbesitzer Unterstützung für die Aufarbeitung des Schadholzes und für die Anpflanzung von klimaresistenten Baumarten wie z.B. Douglasie oder Roteiche. Der Einsatz von Pflanzenschutz muss erleichtert werden – der Wald kann nicht warten, bis ihm der Borkenkäfer oder ein anderer Schädling den Garaus gemacht hat. Wichtig ist angesichts dieser Katastrophe auch die Stärkung gerade der vielen Kleinprivatwaldbesitzer, sie brauchen Unterstützung, z.B. für eine unbürokratische Beantragung von Fördermitteln.

 

Der Kleinprivatwald liegt Ihnen besonders am Herzen. Was lässt Ihr Herz für die Kleinprivatwaldbesitzer schneller schlagen?

Dem Klein- und Kleinstprivatwald eine Stimme zu geben, wird ein zentrales Anliegen meiner Amtsperiode sein - erst recht angesichts der jüngsten Wetterextreme und im Zuge der einschneidenden Strukturveränderungen im Forst. Im Kleinprivatwald - dem Gros der rund 2 Millionen Waldeigentümer in Deutschland - liegen große Herausforderungen und große Chancen dicht beieinander.

Zentrale Forderungen sind hier die Umstellung von der indirekten zur direkten Förderung, der Ausbau der Fortbildung für die Akteure im Kleinprivatwald und die finanzielle Unterstützung bei der Anpassung der Wälder an den Klimawandel.

Im Mittelpunkt muss dabei die Unterstützung der vielen Forstlichen Zusammenschlüsse stehen, die eine Basis unserer Waldwirtschaft sind. Eine wichtige Forderung dabei ist, dass mit Hilfe der GAK die Professionalisierung der Zusammenschlüsse als zentrale Institutionen des Kleinprivatwalde vorangetrieben wird.

Gerade den FBG obliegt eine einmalige gesellschaftliche Schnittstellenfunktion und eine nicht zu unterschätzende Multiplikationsrolle. Hier werden häufig Menschen beraten und betreut, die zunehmend weniger mit land- und forstwirtschaftlichen Strukturen vertraut sind, die jünger und vor allem urbaner werden.

Es muss uns gelingen, der Ansprechpartner für das Thema Wald und Holznutzung zu werden! Dazu bedarf es aber neue Wege: Dazu zählen eine empfängerorientierte Ansprache, digitale Tools in Betreuung, Verwaltung und Wissensvermittlung sowie den Fokus auf den Mehrwert von Holznutzung in unserer Zeit zu legen. Ein weiterer Schwerpunkt müssen die jährlich 60.000 Walderben sein.

Die großen Chancen des Kleinprivatwaldes liegen in der Vielfalt der Besitzgrößen, der Besitzer und ihrer Bewirtschaftungsart. Diese Vielfalt aufgrund breit gestreuten Eigentums führt zu einer ökologischen Bandbreite und zu einer Biodiversität.  

 Sie haben beim Empfang der Waldeigentümer von weiteren Themen gesprochen, die Ihnen auf den Nägeln brennen. Welche sind das?

Ein persönliches Anliegen ist für mich das Bekenntnis zum Eigentum. Als Experten für den Wald benötigen wir stabile Rahmenbedingungen und Vertrauen in unsere nachhaltige Waldbewirtschaftung. Schließlich leisten wir einen vielfältigen gesellschaftlichen Beitrag und tragen eine hohe Verantwortung, da der Waldbau von heute die Wälder für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte prägt.

Schließlich möchte ich deutlich machen, dass der Wald eine Wirtschaftseinheit ist, von der Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten - sei es als Eigentümer, sei es als Beschäftigter. Und ich möchte die regionale Wertschöpfung in den Vordergrund rücken, die ein starkes Pfund unserer Forstbetriebe ist. Mit unseren Wäldern und unserem Holz sorgen wir für eine nachhaltige Wertschöpfung und für die Belebung des ländlichen Raumes. Ein Großteil der Bevölkerung sieht das ähnlich und setzt auf Produkte aus der Region. Diesen Trend sollten wir aufgreifen.   

Sie haben einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in Brandenburg aufgebaut und sind gleichzeitig aktiv im politischen Geschäft. Welche Erfahrungen können Sie in die Verbandsarbeit einbringen?

Als Bundestagsabgeordneter, der sich mitten in der dritten Legislaturperiode befindet, verfüge ich über eine jahrelange Erfahrung hinsichtlich der Abläufe im politischen Berlin. Im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung habe ich eine Vielzahl von Gesetzesvorhaben begleitet und stecke mitten in den Debatten aus der Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus bin ich gut vernetzt und kenne die Akteure der grünen Branche in Politik und Verbänden.

Gleichzeitig verfüge ich als Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebes über ein großes Maß an unternehmerischer Erfahrung. Vor knapp 30 Jahren – gleich nach dem Mauerfall – habe ich meine bayerische Heimat verlassen, um im östlichen Brandenburg, in der Heimat meiner Vorfahren, Wurzeln zu schlagen und Schritt für Schritt einen Familienbetrieb zu etablieren. Gleichzeitig war es mir von Beginn an wichtig, in meiner neuen Heimat Verantwortung in regionalen Institutionen von Politik und Kirche zu übernehmen. Diese vielen Kenntnisse und Erfahrungen aus den letzten drei Jahrzehnten möchte ich gewinnbringend in die Verbändelandschaft einbringen.

 

Nachtrag:

Am 29. August hat Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft angesichts der angespannten Lage zu einem Verbändegespräch eingeladen, dem am 25. September ein Waldgipfel mit den Forstministern der Bundesländer, Vertretern der Spitzenverbänden sowie der Wissenschaft folgt.

Im Vorgriff des Verbändegespräches haben sich der Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und der AGDW – Die Waldeigentümer in einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage geäußert und Forderungen an die Politik formuliert.

 

 

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