Neues Clustersprecher-Duo schaut in eine laubholzreiche Zukunft

Neues Clustersprecher-Duo Alexander Gumpp und Prof. Dr. Hubert Röder

Die beiden Vertreter aus Praxis und Wissenschaft werden die Wichtigkeit einer aktiven Forstwirtschaft und einer stärkeren Holzverwendung für den Klimaschutz priorisieren. „Bauen mit Holz in regionalen Kreisläufen ist eine der großen Stellhebel für Bayern für einen wirksamen Klimaschutz!“ betonen die Clustersprecher im Interview.

Herr Gumpp, Sie stehen nun an der Spitze der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern. Was hat Sie dazu bewogen, das Amt des Clustersprechers zu übernehmen?

„Mein Ziel ist es, das Image von Forst und Holz in der Gesellschaft und in der Politik noch weiter nach vorne zu bringen. Hier spielt das Kommunikationsbündnis proHolz Bayern als Teil der Cluster gGmbH eine sehr wichtige Rolle. Unser Cluster deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab und wir werden gemeinsam den Erfolg jedes einzelnen Gliedes stärken, um so unsere Aufgabe für den Klimawandel vernünftig zu erfüllen. Der Cluster Forst, Holz und Papier ist eine zentrale Säule im ländlichen Raum. Wir schaffen bei über 40 Mrd. € Umsatz/a knapp 200.000 Beschäftigte in Bayern.“

Herr Prof. Dr. Röder, Sie haben bereits Erfahrung als langjähriger Clustersprecher von Seiten der Wissenschaft. Warum ist die Arbeit für das Cluster Forst und Holz so wichtig?

„Bayern ist das Waldland Nr. 1 in Deutschland. Der Wald ist ein komplexes, aber leistungsfähiges multifunktionales System, das die Bedürfnisse der Gesellschaft in vielfältiger Weise deckt: Produktion von Sauerstoff, Wasserzurückhaltung, Wasserreinheit, Nutzfunktion, Artenreicher Lebensraum. Ebenso leistungsfähig ist das anschließende Wertschöpfungs-Netzwerk mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Basis für die Multifunktionalität sind die Waldeigentümer und Forstunternehmer, die sich in ihrer täglichen Arbeit darum kümmern, dass die Zukunftsfähigkeit des Waldes erhalten bleibt. Hand in Hand mit der Bayerischen Forstverwaltung geht man hier systematisch den Weg des Waldumbaus hin zu stabileren Wäldern. Die Fähigkeit unserer Forstwirtschaft, Kohlenstoff im großen Stil im Holz zu binden und damit CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen ist genial. Daher ist eine aktive Forstwirtschaft essentiell für unsere Gesellschaft und unseren ganzen Cluster. Denn, kein Wald bindet so viel CO2 wie ein bewirtschafteter Wald.“

Herr Gumpp, der Wald produziert sozusagen für die Holzbaubranche. Welche Möglichkeiten sehen Sie in der Weiterverwendung des Holzes?

„Das in den Bäumen gespeicherte CO2 kann über den Holzbau in den Gebäuden weiter gebunden bleiben. Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO2 dauerhaft! Das ist der Beitrag des Holzbaus zum Klimaschutz und diese Bedeutung wird zukünftig mehr in den Fokus rücken, denn wir brauchen auch im Baubereich einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit, um die beschlossenen Klimaschutzziele zu erreichen. Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen wird die Säule des zukünftigen Bauens sein und einer der wesentlichen Baustoffe hierbei ist einfach unser Baustoff Holz. Daher ist es notwendig den Holzbau-Anteil weiter zu steigern.“

Herr Gumpp, Sie sind Holzbau-Unternehmer. Welche Entwicklungen erkennen Sie hierzu im Holzbau?

„Wir haben im Holzbau drei Hauptthemen: Neubau, Sanierung und Nachverdichtung. Mit dem Denken im Lebenszyklus wird die Sanierung einen großen Bereich einnehmen. Hier hat der Holzbau in Verbindung mit der Digitalisierung sehr gute Karten. Auch für die Nachverdichtung ist der Holzbau prädestiniert. Holz ist der ideale Baustoff für Aufstockungen in unseren Städten. Denn durch einen hohen Vorfertigungsgrad und das leichte Gewicht kann und wird Holz die Städte von morgen gestalten.

Es hat sich auch allein im Holzbau der Anteil in Bayern im Wohnungsbereich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. In zahlreichen Städten entstehen mehrgeschossige Häuser aus Holz - oft mit Produkten und Knowhow aus Bayern. Genau aus diesem Grund müssen wir innerhalb der Branche weg vom Gedanken ‚Mehrgeschosser = Leuchtturmprojekt‘. Das muss Standard werden! Der Holzbau muss raus aus dem Spezialistentum in die breite Anwendung.“

Herr Prof. Dr. Röder, der Wald wird zukünftig mehr Laubholz zur Verfügung stellen. In wie weit ist hier Laubholz in der Anwendung bedacht?

„Die Verwendung von Laubholz ist derzeit nur in Nischenbereichen etabliert. Auch hier ist ein großer Forschungsaufwand notwendig. Es laufen auch schon mehrere Clusterprojekte, um diese Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz mit einer deutlich höheren Wertschöpfung darzustellen. Aktuell wird es vorwiegend als Brennmaterial genutzt, aber wir können es auch als Rohstoffbasis für die Chemieindustrie, für die Textilindustrie und andere Anwendungen in den Markt bringen. Also das sind sicherlich noch große Forschungsfelder, mit denen wir es gerade zu tun haben und speziell was die Verwendung von Laubholz auch im Bausektor angeht, gibt es erste Ansätze und da wird sich auch in den nächsten Jahren noch einiges weiterentwickeln.“

Herr Gumpp, momentan ist die Fichte das Haupt-Bauholz. Welche Chancen bietet der ansteigende Vorrat an Laubholz für neue Produkte und Anwendungen?

„Wir müssen dafür Anwendungsbereiche schaffen, aber wir müssen uns auch davon verabschieden, dass wir im Bau vom Nadelholz auf Laubholz umschwenken. Eine gesicherte Nadelholzversorgung ist für die Holzbauer trotz allem wichtig. Insbesondere bei der Herstellung Neuer Werkstoffe sehe ich aber ein großes Potential für Laubholz. Hier ist noch Luft in der Entwicklung von Technologien und wir werden uns mit diesem Thema weiter beschäftigen.“

Herr Gumpp, somit steht der Verwendung von Holz aus dem Wald noch einiges bevor?

„Aus dem Forst kommt der Gedanke ‚Wie verwenden wir den Baum zu 100% wertschöpfend‘. Hier gibt es einen großen Forschungsbedarf. Das ist auch eine ganz starke wirtschaftliche Bedeutung der ehrenwerten, nachhaltigen, über Generationen denkenden, Forstbrache. Deren wirtschaftliche Basis muss wieder verbessert werden. Hier verlangt es nach hochwertigen Anwendungen für 100% des Baumes: stofflich, in der Bioökonomie und der modernen thermischen Verwertung.“

Herr Prof. Dr. Röder, das in den Bäumen gespeicherte CO2 kann in der Holzverwendung weiter der Atmosphäre entzogen bleiben. Welche Alternativen sehen Sie neben der Verwendung als Bauholz.

„Mit einer sinnvollen Holzverwendung können wir Kohlenstoff über viele Jahrzehnte speichern und können gleichzeitig energieintensivere Roh- und Baustoffe ersetzen. Ein großes Potential für den Cluster Forst und Holz bietet die Bioökonomie. Das ist die nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe, um auch kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt bereit zu stellen. Die Bioökonomie ist deswegen sehr interessant, weil wir damit völlig neue Anwendungsbereiche erschließen. Wir können, vor allem in der Chemieindustrie, eine neue Rohstoffbasis schaffen. Mit erneuerbaren, kohlenstoffbasierten Rohstoffen kann man sukzessive die fossilen Rohstoffe ersetzen. Anwendungsbereiche sind natürlich die Textilindustrie, der Automobilbereich oder die Verpackungsindustrie. Wir haben hervorragende Möglichkeiten zum Ausbau der Bioökonomie in Bayern und wollen am Cluster gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung unter Federführung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums hier führend in Innovation und Vernetzung werden.“

Herr Gumpp, wie sieht die Zukunft aus? Wie sollen die Ideen umgesetzt werden?

„Innovation braucht Forschung und Entwicklung. Die in Bayern vorhandene Holzbaukompetenz in der Wissenschaft ist einzigartig und zentral für weitere Innovationen und Produktverbesserungen. Das ist ein guter Grundstock für die Aufgaben der Zukunft. Vor allem im Bereich der Bewertung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden muss noch mehr in der Forschung getan werden. Hier können wir es auch werkstoffübergreifend angehen. Denn die Herausforderungen des Bauens in der Zukunft werden die einzelnen Baustoff-Fraktionen nur in einem Miteinander optimal lösen können.“

 

Stand: 08.03.2021

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