Bioökonomie braucht eine starke Forstwirtschaft!

Warum die Bioökonomie eine starke Forstwirtschaft als Partner braucht, erzählt Christian Dietershagen, Werksleiter bei Sappi Limited, im Interview mit der Cluster-Initiative.

 

Herr Dietershagen, Bioökonomie ist in aller Munde. Zentrales Ziel ist die Transformation von Produkten auf Basis fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe wie insbesondere Holz. Welche Rolle nehmen Sie mit Ihrem Unternehmen Sappi in dieser Bioökonomie ein?

Wir sind am Standort Stockstadt der klassischen Papier-Zellstoffindustrie zuzuordnen. In diesem Bereich sehen wir aktuell eine extrem stark gestiegene Nachfrage, die wir aus geostrategischem Interesse unbedingt in Deutschland halten sollten. Wir schaffen moderne und verlässliche Arbeitsplätze mit sehr hoher Wertschöpfung im ländlichen Raum. Auf der anderen Seite sind wir mit unseren Produkten, wie zum Beispiel Lauge, auch direkt mit der chemischen Industrie eng verbunden und damit aktiver Teil dieser Bioökonomie. Eine enge Vernetzung besteht mit anderen Branchen-Akteuren, wie z.B. mit der Holzindustrie. Diese Branchenvernetzung ist für uns als hoch vernetzter und integrierter Standort unabdingbar.

Ihr Unternehmen, die Sappi Limited, investiert weltweit in Innovationen. Wo sehen Sie in der angewandten Forschung Themen auch für Bayern?

Natürlich beobachten wir die Entwicklungen auch weltweit in Richtung Holz basierte Bioökonomie. Es gibt viele neuen Anwendungen im Bereich Textil, Verpackungen, Treibstoffe oder chemische Produkte, um nur einige zu nennen. Unser „Bayerischer“ Zellstoff aus Holz regionaler Herkunft zum Beispiel wird heute schon von regionalen Kunden in Bayern und Baden-Württemberg als Vorprodukt für Mikro- und Nanozelluloseanwendungen genutzt, in diesem Bereich forscht auch Sappi weiter intensiv. Ich sehe in Deutschland eine starke Basis in der Wissenschaft, die aber stärker vernetzt werden sollte. Vor allem wird in der Holz basierten Bioökonomie in den nächsten Jahren noch viel Spannendes passieren. Auch bei uns am Standort sind noch größere Flächen frei, die grundsätzlich Raum bieten für Investitionen.

Ihr Werk ist seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Nachfrager für Holz aus der Forstwirtschaft. Wie sehen Sie die zukünftige Verfügbarkeit von Holz?

Ich prognostiziere eine weltweit steigende Nachfrage nach Holz insgesamt. Wir haben z.B. in der EU mit dem Green Deal die Weichen für eine Transformation der gesamten Industrie gestellt. Hier spielt Holz eine entscheidende Rolle. Mir ist es wichtig, dass wir mit diesem wunderbaren Rohstoff auch möglichst effizient umgehen, das bedeutet zum Beispiel dass wir kein Holz direkt zur Energieerzeugung verbrennen, sondern es vermehrt im Wirtschaftskreislauf nutzen. Ein Beispiel: Ein regionaler Partner liefert uns Sägereste aus der Industrieholzproduktion in Form von Hackschnitzeln, daraus kochen wir Zellstoff und generieren aus den anderen Holzbestandteilen Energie. Der Zellstoff wird z.B. für graphische Produkte genutzt, die nach ihrer Nutzung dem Altpapierkreislauf als sehr hochwertiger Rohstoff zugute kommen. Hieraus werden dann zum Beispiel Kartonagen oder Hygienepapiere hergestellt. Letztere können dann ggf. über Kläranlagen letztlich in einer energetischen Verwendung in Form von Biogas oder Bioschlamm enden. Es wird durch den Klimawandel bedingten Waldumbau auch ein steigendes Potenziale an Laubholz geben. Hier sehe ich uns als verlässlichen Partner der Forstwirtschaft. Der zentrale Aspekt beim Thema Holz ist die zukünftige Versorgung. Daher braucht es eine starke Kommunikation in Gesellschaft und Politik, um Verständnis für eine Forstwirtschaft auf möglichst ganzer Fläche zu schaffen. Nur eine nachhaltige und aktive Waldbewirtschaftung ist aktiver Klimaschutz und die bestmögliche Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Bei diesem Thema sehe ich auch eine hohe Wichtigkeit beim Wissenstransfer aus der Forschung und Vernetzung durch die Bayerische Clusterpolitik insg. und in der Kommunikation für eine aktive Forstwirtschaft durch das Imagebündnis „proHolz Bayern“.

 

 Informationen

Die Sappi Stockstadt GmbH ist eine Papier- und Zellstofffabrik und seit 1898 am Bayerischen Untermain bei Aschaffenburg ansässig. Wir sind ein integriertes Werk mit eigenem Kraftwerk, eigener Abwasserbehandlungsanlage und Zellstoffproduktion, dem Grundstoff für die Papierherstellung.  Mit ca. 550 Mitarbeitern produzieren wir bis zu 230.000 t Papier und bis zu 130.000 t Zellstoff pro Jahr.

Sappi Stockstadt fertigt gestrichene und ungestrichene Feinpapiere für den hochwertigen Bilderdruck wie z. B. Kalender, Bildbände und Hochglanzmagazine.

Unser Werk ist nach ISO 9001 (Qualitätsmanagementsystem), ISO 14001 (Umweltmanagementsystem), ISO 50001 (Energiemanagementsystem) und ISO 45001 (Arbeitsschutzmanagement) zertifiziert und nach EMAS registriert. Wir verfügen über Produktketten-Zertifizierungen im Rahmen des Forest Stewardship Council (FSC) und/oder des Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC).

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