Chancen des Holzbaus – Interview mit Frank Lattke

Die Energiediskussion lodert. Doch selten ist von der Verminderung des Energieverbrauchs die Rede. Architektur kann Energie einsparen - auf Dauer und über alle Lebensphasen des Gebäudes hinweg. Was kann der Baustoff Holz leisten? Der Augsburger Architekt Frank Lattke gibt Antworten.

Interview mit Frank Lattke

Dipl. Ing. Frank Lattke, Architekt BDA, www.lattkearchitekten.de
Dipl. Ing. Frank Lattke, Architekt BDA, www.lattkearchitekten.de

lattke@lattkearchitekten.de

Die Energiediskussion wirbelt zur Zeit durch die Gazetten. Kaum ein Thema wird so kontrovers besprochen. Dabei liegt der Fokus auf der Erzeugung von Energie - nicht auf der Vermeidung von Energieverbrauch. Menschen benötigen Energie. Einen Großteil davon im Alltag, in der Mobilität und vor allem im Wohnen. Wieviel Energie steckt in einem Wohnhaus? Zunächst in der Herstellung und dann im Gebrauch? Wieviel Energie muss bei der Entsorgung am Ende des Lebenszyklus' eines Hauses aufgewendet werden? Und was kann der Baustoff Holz hier leisten? Wir sprachen mit dem Augsburger Architekten Frank Lattke über die Chancen des Holzbaus.

1) Moderne Architektur - egal ob Wohnbau oder Gewerbeimmobilie - muss sich der Frage nach dem Energieverbrauch stellen. Mit steigenden Energiekosten werden Bauherren sensibler auf diesem Thema. Was kann Holz in dem Bereich leisten?

Holz ist ein geeigneter Baustoff für moderne Architektur. Seine Stärke liegt in der Element-Bauweise, also in der Möglichkeit Bauteile vorab soweit vorzufertigen, dass sie leicht und vor allem schnell an Ort und Stelle eingesetzt werden können. Das erfordert allerdings eine äußerst präzise Planung und Fertigung.
Was aber mit Holzbauweise verstärkt in Verbindung gebracht wird, ist das Thema der "Nachhaltigkeit" - ein Begriff, der im Sprachgebrauch so unscharf gebraucht wird, dass ich ihn kaum noch benutzen möchte. Ich meine konkret die Frage nach der CO2-Bilanz. Im Holz bleibt die Kohlenstoffmenge, die im Wachstum des Baumes aufgenommen wird, über die gesamte Lebenszeit des Holzes gespeichert.
Das ist das entscheidende Argument für Holz als Baustoff.
Energieeffizientes Bauen, z.B. für Passivhäuser kann man auch mit anderen Baustoffen realisieren, doch das Material Holz hat eben mehrere positive Aspekte.
Als Architekt ist für mich die Optik ganz entscheidend. Holz bietet enorme Möglichkeiten qualitätvoller Gestaltung. Auch in der Werthaltigkeit hat Holz die Nase vorne - vorausgesetzt, es wurde ordentlich verarbeitet. Kompositbaustoffe machen das Entsorgen wieder sehr viel schwieriger. Der ganze Lebenszyklus eines Gebäudes muss in die Berechnungen einfließen - also ganz deutlich auch der Rückbau von Häusern und die Entsorgung des jeweiligen Baumaterials. Das ist bei vielen Materialien nicht so ganz problemlos. Und ich denke, darüber müssen sich Bauherren und auch die Politik verstärkt Gedanken machen.

2) Welche Rolle spielen Innovationen im Holzbau? Hat sich Holz als Baumaterial weiterentwickelt?

Oh ja. Inzwischen wird das große Plus der Holzbauweise - nämlich die elementierte Bauweise - sehr viel weiterentwickelt. Die Bauteile werden immer leichter, die Querschnitte geringer. Das ist auch eine Folge der Tatsache, dass Holz teurer wird, und man sich raffinierte technische Lösungen einfallen lassen muss.

Holzbauweise ist beispielsweise für Nachverdichtungen in Städten ideal. Anbauten und Aufstockungen werden durch vorgefertigte Holzbauteile erheblich schneller und störungsfreier realisiert, als mit allen anderen Materialien. Was nicht heißen soll, dass andere Baustoffe nicht ebenfalls ihre Berechtigung hätten. Entscheidend ist das Wissen, was wohin passt und welcher Baustoff die beste Lösung ermöglicht.

3) Und wie reagieren Sie als Architekt auf die Chancen solcher Materialien?

Wir probieren es aus, wir sammeln Erfahrungen. Nicht umsonst arbeite ich seit 4 Jahren an einem entsprechenden Forschungsprojekt. Nachlesen kann man das unter www.tesenergyfacade.com. Eines ist uns, die wir uns auf den Holzbau spezialisiert haben, klar: elementierte Bauweise erfordert ein extrem hohes Maß an Disziplin, außerordentlich gute und präzise Planung und Durchführung und sehr viel mehr Kommunikation mit den Gewerken und Ingenieuren, als die herkömmliche Bauweise, wo viel noch auf der Baustelle entschieden werden kann.
Längere Planung heißt "bessere Planung", besseres detailreicheres Durchdenken der Anforderungen - wie gesagt: von allen Beteiligten ein Maximum an Disziplin.
Und erstaunlicherweise tut das dem Endergebnis extrem gut.

4) Kommt diese Weiterentwicklung bei den Bauherren an? Wissen sie welche Chancen im Holzbau stecken, oder müssen Sie bei Ihren Aufträgen Überzeugungsarbeit leisten?

Die Chancen sprechen sich rum. Manchmal muss ich noch überzeugen, aber die Bereitschaft der Bauherren, sich auf den Holzbau einzulassen ist doch viel größer geworden. Das Profil unseres Büros kommt uns da entgegen. Das erhöht den Zulauf und sämtliche 5 momentanen Projekte, die wir bearbeiten, sind Holzbauprojekte.
Ich nehme mir auch die Zeit, den Bauherren zu zeigen, wie ihr Gebäude entsteht. Wir gehen beispielsweise in den Betrieb, der die Teile fertigt, denn ich meine, die Bauherren sollen verstehen, was sie da bekommen und warum wir so akribisch in einem Team Vorarbeit leisten.

5) Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang von der Holzbranche, vom Cluster, von Zulieferern?

Die Branche braucht einen Fachinformationsdienst Holz. Eine Stelle, an die sich Planer und Bauherren um präzise Hintergrundinformationen und fachliche Beratung wenden können und wo sie Informationen finden. An der Realisierung einer solchen Fachstelle müssen wir alle gemeinsam arbeiten.
Die Holzbranche ist zersplittert. Wir brauchen eine neutrale Institution, die hier das Zepter führt.
In dem Zusammenhang fällt mir der EU-Leitfaden zum "Green Procurement" ein. Das sollte sich die Branche, aber auch die kommunalen Bauherren, genau anschauen. Da geht es um die Art und Weise energieeffieziente Ausschreibungen zu tätigen. Ich denke, da muss die Branche aktiv werden und den Bauherren in Städten und Gemeinden Hilfestellungen anbieten. Da, denke ich, ist auch eine Organisation, wie der Cluster gefragt.

6) Wo, meinen Sie, könnte man als Fachmann ansetzen, um den gesamten Wirtschaftszweig in Verbindung mit Energiesparen zu bringen?

Da gibt es schon viel Detailwissen. Auch die Broschüre aus der Holzforschung und der bayerischen Clusterinitiative "Bauen mit Holz = aktiver Klimaschutz". Was wir darstellen sollten, ist eine materialgerechte Lebenszyklusbilanz von Gebäuden. Berechnet nach dem Energieinhalt (Stichwort: Graue Energie). Das muss erforscht und kommuniziert werden. Von allen, die in der Branche arbeiten. Damit hätten wir schon viel erreicht.

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