Ressource Holz – Forstlicher Unternehmertag

"Rohstoffversorgung heute und morgen sichern“

In Hundisburg bei Magdeburg trafen sich 120 Entscheider aus der Forst- und Holzwirtschaft am 18. und 19.4.2023. Ziel war der Wissenstransfer und der Austausch zum zentralen Zukunftsthema: wie können wir die Rohstoffversorgung Holz in Deutschland sichern und stärken? Organisiert wurde die Tagung durch das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF Magdeburg in Kooperation mit dem Bayerischen Cluster Forst und Holz mit proHolz Bayern. Unterstützer waren die Unternehmen Komatsu, Wahlers Forsttechnik-Ponsse, Waldburg Forstmaschinen Wolfegg und Forex-John Deere.

Start war der Vorabend am 18.4.23 mit Impulsvorträgen aus der Wissenschaft: u.a. zur Überwachung forstlicher Schaderreger mittels automatisierter Pheromonfallen von Robert Fritz von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und zur sensorbasierten Zustandserfassung und vorausschauenden Planung von Instandsetzungen von Forstwegen, vorgetragen durch Harald Lux vom FFK Gotha. Seine Kollegin Anett Wenzel, stellte ein Kooperationsprojekt mit dem Fraunhofer IFF zur Schadermittlung von Eschen anhand von Hyperspektralaufnahmen durch Maschinelles Lernen vor. Florian Rauschmeyer von der Hochschule Weihenstephan aus Freising stellte das Projekt des „digitalen Forstwirts“ dar, was Trageversuche mit einem speziellen Head up Display im Motorsägenhelm beinhaltete. Informationen wie der Standort des Harvesters können z.B. beim Zufällen eine wichtige Zusatzinformation bieten und die Holzernte ein Stück sicherer machen. Eine Posterausstellung rundete den sehr gut besuchten Vorabend ab.

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Foto: Fraunhofer IFF, Lena Neuber

Nach der Begrüßung durch Dr. Ina Ehrhardt vom Fraunhofer IFF startete die Tagung am 19.4.2023 Mit einem Impulsvortrag von Dr. Irene Seling von der AGDW: In Zukunft werden die Erlöse aus dem Holzverkauf nicht mehr alleine reichen, so Seeling. Sie schlägt vor, gemeinsam Geschäftsmodelle zu entwickeln, um auch die Ökosystemleistungen vergüten zu können. Dabei spielt der Erhalt des Eigentums eine zentrale Rolle bei der politischen Arbeit der AGDW. „Fraglich bleibt, wie wir den Waldumbau schaffen, wenn wir den Wald gleichzeitig Stilllegen“, so Seeling.

Seeling berichte auch von der Arbeit auf EU-Ebene: Die aktuelle EU-Biodiversitätsstrategie plant 30 % unter Schutzstellung der Gesamtfläche, davon 10 % mit einer starken Schutzstellungskategorie. Man kann davon ausgehen, dass bei einer Umsetzung dieser Strategie dies den Wald proportional stärker belangen wird als in der Landwirtschaft. Seeling verwies auch auf die sehr hohe Bedeutung des Clusters mit 180 Mio. € Umsatz und über 1 Mio. Beschäftigte in Deutschland. Ein Lichtblick erkennt man in einer Anerkennung der Holzverwendung für den Klimaschutz auch bei der Wissenschaft. So ruft aktuell der Klimaforscher Hans Joachim Schellenhuber dazu auf, die Holzbauquote in Deutschland auf 50 % zu heben. „Reforesting the globe and retimbering the cities”, so sein Leitspruch.

 

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Foto: Fraunhofer IFF, Lena Neuber

Auch Prof. Tobias Cremer von der Hochschule Eberswalde nahm den Konflikt Waldstillegung vs. Nutzung in den Fokus: aufgrund der aktuellen Schadmengen und einer restriktiveren Forstpolitik wird Holz in Zukunft knapp und teuer werden, so seine These. Schadinsekten sind aktuell die Hauptursache für Kalamitäten, noch vor der Trockenheit. 1 Mio. ha müssen aktuell in Deutschland aufgeforstet werden. Nach Cremer haben mittlerweile alle Baumarten ein Problem mit dem Klimawandel, auch bis vor einigen Jahren noch als Zukunftsarten gehandelte Baumarten. Laut Cremer schaffen wir es nicht, das doch komplexe Wissen über die Forstwirtschaft an die Gesellschaft zu übertragen.

Lukas Freise von der Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher fokussierte die Frage: Wo kommt das Holz in Zukunft her? Seine Kernthese wurde auch von Publikum unterstützt: Investitionen der Holzindustrie brauchen klare politische Aussagen zur aktiven Waldbewirtschaftung

Vera Butterweck-Kruse ging anschließend auf die zukünftigen Herausforderungen der Branche Forst Holz ein. Ihr Aufruf, gemeinsam und abgestimmt die aktive Forstwirtschaft zu kommunizieren wurde im Folgenden von Jürgen Bauer im Detail untermauert. Bauer, Geschäftsführer des Clusters Forst und Holz in Bayern gGmbH, zeigte erfolgreiche Beispiele aus Kampagnen für den Holzbau. Seine Kernthese: die Kraft der Außenkommunikation nun gezielt auf die aktive Waldbewirtschaftung legen. Es braucht Kampagnen, politische Arbeit und dafür entsprechend Ressourcen. Bayern bietet sich an, hier bestehende Erfahrungen in eine bundesweite Planung einzubringen.

Mathias Sagebiel, claus rodenberg waldkontor und Fabian Wendeburg von Familienbetriebe Land- und Forstwirtschaft sowie auch Klaus Jänich von den Niedersächsischen Landesforsten und Fritz Richter von der CenterForst GmbH brachten sich mit Innovationen und neuen Konzepten zu den Themen Wiederbewaldung, Planung und Steuerung sowie Digitalisierung als Game-Changer ein. Sie alle verwiesen in ihren Beiträgen auch auf die Herausforderungen im Bereich des Personals und zeigten Lösungsansätze zum Umgang mit dem „neuen Normal“ auf.

Mathias Noack von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe schloss die Veranstaltung mit Aussagen zur Digitalisierung in der Wertschöpfungskette Forst- und Holz: nationale Datenstandards hatten bis zuletzt eine noch zu geringe Verbreitung. Daher wurde von den Spitzen der Forstwirtschaft aus Deutschland und Österreich die Kooperationsvereinbarung Forest 4.0 beschlossen. In einem von der Fachagentur Nachwachsenden Rohstoffe FNR kofinanzierten Projekt namens DRMdat wurde lektronische Datenstandard für die Forst- und Holzwirtschaft weiter entwickelt. Dieser ist kostenlos und als freier Standard im Internet zu finden. Technisch wird dieser betreut durch das Kuratorium für Forstwirtschaft KWF. Er ermöglicht die automatisierte Kommunikation, Bildverarbeitung und Georeferenzierung. Auch der Nachweis der Rohholzherkunft ist gewährleistet (https://www.drmdat.eu/).

Ina Ehrhardt vom Fraunhofer IFF schloss die Veranstaltung: Das Spektrum und das Interesse der Teilnehmenden aus dem gesamten Cluster Forst und Holz haben die große hohe Bedeutung und die Wertschätzung von Wissenstransfer und Vernetzung in der Branche gezeigt.

Ressource Holz Forstlicher Unternehmertag 2023

Florian Rauschmayr (HSWT), Dr. Jürgen Bauer (Cluster Bayern), Klaus Jänich (Niedersächsischen Landesforsten), Lukas Freise (Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V.), Dr. Irene Seling (AGDW), Ina Ehrhardt (Fraunhofer IFF), Fritz Richter (Center-Forst GmbH), Vera Butterweck-Kruse (DFUV), Jan Bergeest (claus rodenberg waldkontor GmbH), Dr. Tobias Cremer (Hochschule Eberswalde), Dr. Matthias Noack (FNR); Foto: Fraunhofer IFF, Silas Gutowski

Die Tagung wird im Frühjahr 2024 wie gewohnt im Wechsel als „Forstlicher Unternehmertag und Ressource Holz Tagung“ in Freising weitergeführt und vom Bayerischen Cluster Forst und Holz mit proHolz Bayern ausgerichtet.

Die Vorträge der Tagung 2023 auf Schloss Hundisburg stehen unter https://www.holzlogistik.iff.fraunhofer.de/de/veranstaltungen/rohstoffversorgung-heute-und-morgen-sichern.html

          Kontakt

          Postanschrift:

          Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH

          Am Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan

          Obere Hauptstraße 36

          85354 Freising

          Geschäftsführer:

          Dr. Jürgen Bauer

           +49 8161 96 995 61

           +49 8161 96 995 79

           post@cluster-forstholzbayern.de

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