Nutzungsverzicht ist nicht nachhaltig – Interview mit Sepp Spann

Zurzeit wird die Nutzung der Wälder, der Umfang der Holzernte und auch das Thema Holznutzung zur Energiegewinnung sehr kontrovers diskutiert. Die unterschiedlichsten Strömungen verschaffen sich öffentlich Gehör und so befinden sich die Waldbesitzer - nicht nur die großen Staatsforste, sondern auch die kleinen Waldbauern - in Erklärungsnot oder müssen ihre Rolle im wirtschaftlichen Umfeld neu finden.
Wir führten ein Interview mit Sepp Spann, Vorsitzender des Bayerischen Waldbesitzerverbandes anlässlich der INTERFORST in München und fragten nach Argumenten für eine nachhaltige Bewirtschaftung der bayerischen Wälder.

Sepp Spann
Sepp Spann

Cluster: Wie können Waldbesitzer aufklären, wenn die Sprache auf das Ökosystem Wald kommt?

Sepp Spann: Die Wälder in Bayern werden ausschließlich nachhaltig mit Rücksichtnahme auf die Erhaltung aller Waldfunktionen für zukünftige Generationen bewirtschaftet. Bei dieser nachhaltigen Bewirtschaftung wird neben den ökonomischen und den sozialen Funktionen, die die Waldbewirtschaftung erfüllen muss, v.a. auch die Ökologie des Waldes berücksichtigt.

Mehr als 75 % der bayerischen Wälder sind außerdem durch die freiwillige Waldzertifizierung PEFC zertifiziert und werden regelmäßig überprüft. Durch die Teilnahme am PEFC-System kann jeder Waldbesitzer die Berücksichtigung der ökologischen Waldfunktionen zusätzlich dokumentieren. Viele wertvolle Informationen dazu findet man auch im Regionalen PEFC-Waldbericht für Bayern, der im Internet heruntergeladen werden kann.

Welche Rolle kann Ihrer Meinung nach, die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern dabei übernehmen?

Die Cluster-Initiative kann die breite Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger v.a. über die seit vielen Jahrzehnten in Bayern angewandte nachhaltige Bewirtschaftung informieren, bei der sowohl ökologische als auch ökonomische Funktionen des Waldes berücksichtigt werden.

Waldbesitzer haben im waldreichen Bayern eine Sonderstellung innerhalb der Bevölkerung. Können die Waldbesitzer Vorbild sein, für diejenigen, die Klima und Umwelt schützen wollen? Und wie können sie eine solche Rolle ausfüllen?

Kaum ein anderer Sektor kann sich derartige Verdienste für Mensch und Umwelt zuschreiben. Sie liefern den wichtigsten nachhaltig erzeugten heimischen Rohstoff, betreuen das bedeutendste Landökosystem und einen wichtigen Erholungsraum für die Menschen. Außerdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Umwelt profitiert von den in Deutschland nachhaltig genutzten Wäldern. Wald und Holznutzung sind aktiver Klimaschutz. Darüber hinaus führt die stoffliche und energetische Verwendung von Holz dazu, dass jährlich etwa 31 Mio. t CO2 weniger die Atmosphäre belasten. Der Wald und die Holzprodukte kompensieren jedes Jahr den CO2-Ausstoß von 2/3 des deutschen PKW-Bestandes.

Einige Waldbesitzer geben dem gesellschaftlichen Druck nach. Sie schlagen weniger Holz. Was bedeutet denn diese "Sparmaßnahme" für das wirtschaftliche Umfeld?

Auf das wirtschaftliche Umfeld kann eine Einschlagssenkung starke Auswirkungen haben. Die Sägewerksbetreiber benötigen eine optimale Auslastung ihrer Maschinen, damit die Produktionskosten nicht steigen. Im Gegenzug dazu ist ein guter Holzpreis auch maßgeblich von der Anzahl der am Markt tätigen Unternehmen bzw. der nachgefragten Holzmenge abhängig. Um die vorhandenen Marktstrukturen im Gleichgewicht zu halten, ist eine nachhaltige Versorgung wichtig.

Bezogen auf die Holzvorräte könnte in Bayern sogar wesentlich mehr Holz genutzt werden. V.a. im Kleinprivatwald haben sich in den letzten Jahrzehnten hohe Vorräte angesammelt. Bislang lag über alle Eigentumsarten hinweg betrachtet die Menge des genutzten Holzes immer unter der Menge des Nachgewachsenen.

Was meinen Sie? Sieht sich der Waldbesitzer in Bayern als Teil der Wertschöpfungskette Forst und Holz, oder ist vielen dieser Gedanke einfach fremd?

Als "Urproduzent" ist der Waldbesitzer das wichtigste Glied in der Wertschöpfungskette Forst und Holz. Nicht jeder Waldbesitzer ist sich dieser Verantwortung jedoch bewusst, weil die Gesellschaft jahrelang dem nachwachsenden Rohstoff Holz wenig Bedeutung geschenkt hat.

Was kann Ihr Verband, was kann der Cluster daran verändern oder verbessern?

Die Wichtigkeit des Cluster Forst und Holz ist offenkundig. Mit ca. 200.000 Beschäftigten und knapp 31 Mrd. € an Umsätzen liegt der Cluster Forst und Holz im Vergleich mit den anderen Gewerben in Bayern auf den Plätzen 4 bzw. 5. Beide Institutionen können immer wieder auf die Bedeutung der Forstwirtschaft, insbesondere auch für den ländlichen Raum, hinweisen.

Wenn Sie Ihren Verbandsmitgliedern etwas auf den Weg durch die Diskussionen mitgeben möchten, was wären Ihre Hauptargumente?

Die Waldbesitzer können sehr selbstbewusst sein, denn:

  1. Waldbesitzer schaffen zukunftsfähige Wälder, die alle Funktionen erfüllen.
  2. Waldbesitzer sorgen für frische Luft, sauberes Wasser und gute Böden.
  3. Waldbesitzer sind ein Garant für Artenvielfalt und Biodiversität.
  4. Waldbesitzer erzeugen den nachwachsenden und vielseitig einsetzbaren Rohstoff Holz mit kurzen Transportwegen.
  5. Nutzungsverzicht führt zu höheren CO2-Emissionen als Holznutzungen.
  6. Nutzungsverzicht ist nicht nachhaltig.
  7. Nachhaltige Forstwirtschaft ist ein Beitrag zum Klimaschutz.

Herr Spann, die Cluster-Initiative dankt Ihnen für dieses Interview.

Weitere Beiträge der Forstwirtschaft in Bayern zum internationalen Jahr der Biodiversität 2010 und dem Jahr der Wälder 2011 finden Sie unter:

www.forstwirtschaft-schafft-leben.de

Drucken E-Mail

Menschen

  • Was mache ich mit meinen Buchen?

    Was mache ich mit meinen Buchen? Was mache ich mit meinen Buchen?Gegenwärtig wird rege an neuen Produkten und Prozessen im Bereich Bioökonomie geforscht.  Aber greift die Praxis die Ideen auch auf? Wir fragen in einer Branche nach, die per se zur Bioökonomie zählt und in langen Zeiträumen plant: die Holz- und Forstwirtschaft. Read More
  • Im Gespräch mit Alexander Bogner

    Im Gespräch mit Alexander Bogner Alexander Bogner ist „der Neue“ , seit dem 1. Januar leitet der Kommunikationsprofi proHolz Bayern. Nach dem Studium der Politikwissenschaft in München war jahrelang  als PR- und Kommunikationsberater in verschiedenen Agenturen tätig.  Er ist Experte für strategische Kommunikation und Kampagnenmanagement. Sein Ziel ist es, die öffentliche Wahrnehmung der Forst- und Holzbranche zu stärken. Holzbau in Verbindung mit der in Bayern betriebenen nachhaltigen Waldwirtschaft ist für ihn aktiver Ressourcen- und Klimaschutz. Er wird neue Akzente setzen, wie und wo Forst- und Holz-Geschichten erzählt werden, und wird die Social-Media-Kanäle weiterentwickeln.   Herr Bogner, wie ist es dazu gekommen? Nach über 15 Jahren Agenturarbeit und knapp 1,5 Jahren Pandemie hatte ich große Lust, mich beruflich zu verändern. Allerdings war es nicht leicht, etwas zu finden, womit ich mich zu 100% identifizieren kann und was meinen Wunsch nach Sinnhaftigkeit erfüllt. Das war dann auch die erste und einzige Bewerbung die ich losgeschickt habe. Und jetzt bin ich da.   Mit welchen Erwartungen gehen Sie an Ihre neue Aufgabe heran? Ich freue mich darauf, viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen, die die Liebe zum Wald und dem wunderbaren Rohstoff Holz vereint. Gleichzeitig mache ich mir keine Illusion darüber, dass die Waldbewirtschaftung außerhalb der Branche auch kritisch gesehen wird, nicht zuletzt aufgrund unwissenschaftlicher und arg eindimensionaler Argumentationen. Hier herrscht noch hoher Aufklärungs- und Informationsbedarf in der breiten Öffentlichkeit.   Haben Sie schon etwas über die Forst- und Holzbranche erfahren, was Sie nicht wussten bzw. Sie überrascht hat? In der Tat war ich etwas überrascht davon, wie viele Institutionen und Organisationen im deutschsprachigen Raum zum Klimawald, zum Waldumbau und zum Holzbau und der Holznutzung forschen. Das war mir vorher nicht so bewusst. Hier sehe ich ein großes Potenzial im Wissenstransfer in die Politik und Gesellschaft. Jetzt freue ich mich riesig auf das Kennenlernen mit den Branchenakteuren und das gemeinsame Arbeiten. Ich lade alle Interessierte ein, mit uns Kontakt aufzunehmen Read More
  • Bioökonomie braucht eine starke Forstwirtschaft!

    Bioökonomie braucht eine starke Forstwirtschaft! Warum die Bioökonomie eine starke Forstwirtschaft als Partner braucht, erzählt Christian Dietershagen, Werksleiter bei Sappi Limited, im Interview mit der Cluster-Initiative. Read More
  • Georg Höhensteiger betont Wichtigkeit der Regionalen Holzketten

    Interview mit Georg Höhensteiger, 1. Vorsitzenden WBV Rosenheim undMitglied im Arbeitskreis der "Regionalen Holzkette Südostoberbayern" Georg Höhensteiger ist 1. Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Rosenheim w. V. und vertritt damit über 3.000 meist kleine Waldbesitzer aus der Region mit einer Waldfläche von über 21.000 ha. Im Interview betont er, wie wichtig regionale Holzketten sind, um auch in Zukunft eine stabile Versorgung in der Region zu gewährleisten und kleine sowie mittlere Sägewerke zu erhalten. Read More
  • Norbert Harrer: Viel Potential in der Öffentlichkeitsarbeit

    Norbert Harrer: Viel Potential in der Öffentlichkeitsarbeit Im Zuge der virtuellen Veranstaltungsreihe "Ressource Holz und forstlicher Unternehmertag" war die Cluster-Initiative im Gespräch mit Norbert Harrer, Forstunternehmer und Vorsitzender des Berufsverbands der Forstunternehmer in Bayern e.V. Read More
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14

Wir koordinieren

Logo proHolz Bayern

 

 

Logo komSilva

 

Partnernetzwerke

Logo Regionalinitiativen in Bayern

 

Logo Cluster Offensive Bayern

 

Logo go-cluster

 

 

 

Logo Cluster Management Excellence

Logo Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan

logo VBF Vertreter Bayerischen Forstwirtschaft 2019

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung