Privatwaldpflege - Interview mit MR Urban Treutlein

Ministerialrat Urban Treutlein ist am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Referatsleiter für den Privat- und Körperschaftswald zuständig, zudem ist er Mitglied im Lenkungsausschuss des Projektes "Aktivierung der Waldbesitzer zu nachhaltiger Waldpflege und Holznutzung". Die aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten des StMELF für eine Steigerung der Waldpflege im Privatwald waren dementsprechend auch Thema im Interview mit Niels Drobny.

Ministerialrat Urban Treutlein, StMELF
Ministerialrat Urban Treutlein, StMELF

Ministerialrat Urban Treutlein ist am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Referatsleiter für den Privat- und Körperschaftswald zuständig, zudem ist er Mitglied im Lenkungsausschuss des Projektes "Aktivierung der Waldbesitzer zu nachhaltiger Waldpflege und Holznutzung". Die aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten des StMELF für eine Intensivierung der Waldpflege im Privatwald waren dementsprechend auch Thema im Interview mit Niels Drobny.

1. Die dritte Bundeswaldinventur weist für die Betriebsgrößen unter 20 ha weiter steigende Vorräte aus. Welche Bemühungen unternimmt das StMELF um gerade Kleinprivatwaldbesitzer bei der Waldpflege und der kontinuierlichen Bewirtschaftung ihres Eigentums zu unterstützen?

Zunächst ist festzustellen, dass es in den letzten Jahren sehr gut gelungen ist Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Waldbesitzern eine regelmäßige Bewirtschaftung ihrer Flächen ermöglichen - das ist ein sehr erfolgreicher Weg. Ob durch Beratung und finanzielle Förderung einerseits oder durch Organisation von Betriebsarbeiten und Holzvermarktung andererseits, das Zusammenspiel zwischen Forstverwaltung und Forstlichen Zusammenschlüssen auf der Fläche zum Wohl der Waldbesitzer funktioniert sehr gut.

Allen Verantwortlichen ist allerdings auch klar, dass die Ansprache und Motivation der Klein- und Kleinstwaldbesitzer nach wie vor eine große Herausforderung ist.

Das zentrale Element ist und bleibt die kostenfreie und neutrale Beratung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vor Ort durch unsere Beratungsförster. Um dieses Angebot gerade auch bei jüngeren und erfahrungsgemäß besonders internetaffinen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern bekannter zu machen, haben wir für das neue Waldbesitzerportal eine Förstersuche entwickelt. Dies ermöglicht jedem Waldbesitzer einen schnellen und einfachen Weg zu seinem Beratungsförster.

Die notwendige Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel bringt hohe Aufwendungen für Pflanzungen und erste Pflegemaßnahmen mit sich, die durch Einnahmen aus dem Holzverkauf bei weitem nicht gedeckt werden können. Dies gilt in besonderer Weise für den Klein- und Kleinstprivatwald. Der Freistaat Bayern unterstützt deshalb im gesamtgesellschaftlichen Interesse die Waldbesitzer durch vielfältige Möglichkeiten der finanziellen Förderung.

Sobald es an die betriebliche Ausführung von Waldarbeiten und die Holzvermarktung geht, ist das Angebot der Forstlichen Zusammenschlüsse von unschätzbarem Wert. Kein anderer Partner kann so viele einzelne Dienstleistungen zusammenfassen und diese für den Waldbesitzer konzentriert anbieten. Wenn man sich in Deutschland umschaut, wird schnell deutlich, dass Bayern sehr stolz auf seine flächendeckende und außerordentlich leistungsfähige Struktur von forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen sein kann.

2. Untersuchungen zur Waldbesitzerstruktur (Suda, Schaffner, Tendler 2014) prognostizieren eine "Vererbungswelle", die neuen Eigentümer leben stärker in einem urbanen Umfeld und die Zahl der waldbesitzenden Frauen steigt an. Verlieren wir diese Zielgruppen nicht mit unseren traditionellen Strukturen?

Ganz klar, der Strukturwandel ist für die Branche eine große Herausforderung. Auch unsere bisherigen Strukturen müssen mit diesem Wandel gehen. Wir müssen Kommunikationswege anpassen und zudem zielgruppengerechte Dienstleistungspakete anbieten. Hier liefert das neue Förderprogramm für die Forstlichen Zusammenschlüsse wichtige Impulse und finanzielle Unterstützung.

Der "neue Waldbesitzer" verfolgt mit seinem Eigentum teilweise andere Motive: So rückt der reine finanzielle Ertrag für manche in den Hintergrund, hingegen gewinnen die Bewahrung der Familientradition und der eigene Wald als persönlicher Rückzugsort und Ausgleich zum Berufsleben an Bedeutung. Die Waldbesitzer werden also einerseits vielgestaltiger. Andererseits nehmen Knowhow und Zeit für die Waldbewirtschaftung tendenziell ab. Hier müssen wir Angebote der Forstverwaltung und der Zusammenschlüsse schärfen. Viele "neue Waldbesitzer" brauchen vor allem klare, selbsterklärende Dienstleistungsangebote.

Es ist allerdings auch schon vieles in diese Richtung passiert. Das Angebot umfassender Waldpflegeverträge durch die Forstzusammenschlüsse ist hier ein wichtiger Baustein. Dieses Angebot der Waldbesitzervereinigungen wird übrigens deshalb auch durch den Freistaat Bayern finanziell unterstützt. Auf der Informationsseite stellt das Bayerische Forstministerium seit Februar dieses Jahres mit dem Waldbesitzerportal alle für Bayern relevanten Informationen übersichtlich zur Verfügung. Das Angebot der Initiative "mein Wald" des ganzen Clusters ergänzt sich gut mit dem Waldbesitzerportal, so lassen sich hier beispielsweise die Ansprechpartner der Forstlichen Zusammenschlüsse ausfindig machen. Gemeinsam wollen wir das Thema Waldpflege und Waldbewirtschaftung im Internet für uns besetzen.

3. Sie sprechen das Waldbesitzerportal und "mein-Wald.de" an. Wo liegt der Unterschied und warum gibt es zwei Internetauftritte?

Das ist richtig, die Internetauftritte ähneln sich auf den ersten Blick, verfolgen aber unterschiedliche Zielsetzungen. Wie eingangs bereits erwähnt, legt das Waldbesitzerportal einen Fokus auf die Information der Waldbesitzer und der Vermittlung des direkten Ansprechpartners.

Der Initiative "mein Wald" geht es vor allem darum, erfolgreiche Wege und Projekte zur Aktivierung der Waldbesitzer bekannt zu machen und die Forstlichen Akteure auf der Fläche zu unterstützen. Ergänzend wird auch eine Suchfunktion bereitgestellt, um schnell und einfach den Kontakt zur örtlichen Waldbesitzervereinigung oder Forstbetriebsgemeinschaft finden zu können.

Ein Lenkungsausschuss aus Vertretern des Forst- beziehungsweise des Wirtschaftsministeriums, Verbänden, Berufsgenossenschaft sowie Vertretern aus Wissenschaft und Praxis trifft strategische Entscheidungen. Diese werden nach Möglichkeit gemeinsam mit lokalen Projektpartnern der Forstverwaltung und der Zusammenschlüsse umgesetzt. Im Kern geht es darum Werkzeuge weiterzuentwickeln, Praxiserfahrungen zu sammeln und allen Akteuren die erarbeiteten Materialien für ihre tägliche Arbeit zu Verfügung zu stellen.

Das wesentliche Kommunikationsmedium ist ein regelmäßig erscheinender Newsletter, dieser wird an Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Forstliche Zusammenschlüsse und interessierte Branchenvertreter versandt. Und in der Kommunikation liegt der Schlüssel für die Aktivierung der Waldbesitzer - und hier gehen wir gemeinsam neue Wege.

Weitere Informationen:

Drucken E-Mail

Menschen & Meinungen

  • Eckpunkte der Waldstrategie 2050

    Eckpunkte der Waldstrategie 2050 Die Autoren der Stellungnahme sehen die Gefahr, dass mit den Folgen des Klimawandels die Einnahmen in der Forst- und Holzwirtschaft wegbrechen. Trotz der vorhandenen Förderinstrumente sei zu befürchten, dass viele Waldbesitzer künftig nicht mehr in der Lage sind, die Lasten des Waldschutzes, der Wiederaufforstung und der Verkehrssicherung zu tragen sowie der Gesellschaft die Ökosystemleistungen weiterhin kostenfrei bereitzustellen. Read More
  • Neue Produkte aus unserem Rundholz - Interview mit Prof. Dr. Klaus Richter, TUM

    Prof. Dr. Klaus Richter, Leiter der Holzforschung München Die Schadholzmenge in bayerischen Wäldern betrug im Jahr 2019 über neun Millionen Kubikmeter. Der drastische Anstieg von verfügbarem Rundholz stellt die Forst-, Holz- und Papierindustrie vor neue Herausforderungen. Moderne, holzbasierte Bioökonomie bietet hier vielfältige Chancen und Anwendungsfelder - auch für Schadholz. Prof. Dr. Klaus Richter, Leiter der Holzforschung München berichtet im Interview über den derzeitigen Stand und die Entwicklung der holzbasierten Bioökonomie in Bayern. Read More
  • Hans-Georg von der Marwitz, seit Anfang 2019 Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) stellt sich vor

    Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) Seine Berufung kommt in einer wirtschaftlich schlechten Phase für die deutsche Forstwirtschaft: Trockenheit, schlechte Holzpreise und Insektenkalamitäten setzen den 2 Millionen Waldbesitzern in Deutschland zu. Die Stimmung ist schlecht und die Motivation der Waldbesitzer zur Pflege und Wiederaufforstung ist nicht gerade zum Besten gestellt. Auch große Forstbetriebe bekommen das zu spüren und müssen ihre Gewinnerwartungen deutlich reduzieren. Hans-Georg von der Marwitz, ist seit Anfang 2019 Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Waldbesitzerverbände (AGDW) und folgt damit Philipp zu Guttenberg nach, der das Amt seit 2010 inne hatte. Der "Deutsche Waldbesitzer - Das Magazin für Privatwaldbesitzer" hat Hans-Georg von der Marwitz zu seinen Erfahrungen und Plänen befragt. Wir dürfen das aktuelle Interview abdrucken und bedanken uns dafür: Read More
  • Xaver Haas wird 70

    Xaver Haas wird 70 Am 11. Juni feiert Xaver Haas, der die Cluster-Initiative Forst Holz Bayern als Sprecher der Unternehmerseite vertritt, seinen 70. Geburtstag. Dr. Jürgen Bauer, der Geschäftsführer der Cluster-Initiative besuchte den Jubilar aus diesem Grunde in Falkenberg, dem Firmensitz der Haas-Gruppe und wurde dort vom Ehepaar Haas und den geschäftsführenden Töchtern des Unternehmers empfangen. Read More
  • Kommunikation ist Emotion und Information - Wege zur Digitalisierung - Interview mit Prof. Dr. Ute Seeling

    Prof. Dr. Ute Seeling, Geschäftsführerin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. Prof. Dr. Ute Seeling ist als Geschäftsführende Direktorin des KWF (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.) stark in den Ablauf des Projektes KomSilva integriert. Das Projekt KomSilva wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. gefördert und läuft bis Januar 2020. Im Rahmen des Projektes werden Kommunikations- und Beratungshilfen zur Waldbesitzeransprache und für die forstliche Öffentlichkeitsarbeit entwickelt. Das Projekt wird durch das KWF koordiniert. Weitere Projektpartner sind die Clusterinitiative Forst und Holz in Bayern gGmbH, der Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der TU-München sowie Unique Forestry and Landuse. Eva Tendler hat Prof. Ute Seeling vor dem Projekthintergrund befragt, wie sie digitale Kommunikationsinstrumente persönlich nutzt. Read More
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13

Wir koordinieren

Logo proHolz Bayern

 

 

Logo komSilva

 

Partnernetzwerke

Logo Regionalinitiativen in Bayern

 

Logo Cluster Offensive Bayern

 

Logo go-cluster

 

 

 

Logo Cluster Management Excellence

Logo Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan

logo VBF Vertreter Bayerischen Forstwirtschaft 2019

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung